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Schon seit längerem dachte ich,
daß die Zeit wieder reif für eine Rucksackreise sei. Es
sollte natürlich in die Wärme gehen und von Vietnam hatte ich
viel Gutes gehört. Susann schloß sich mir an, und wir
entschieden, uns vier Wochen Zeit zu nehmen, um von Norden nach
Süden zu reisen, so kann man dem warmen Wetter entgegen fahren.
Den
Flug hatten wir schon im Juli gebucht, um einen günstigen zu
bekommen.
Der Flug nach
Hanoi am nächsten Morgen dauert nur drei Stunden. Am Flughafen
tauschen wir Geld und lassen uns die Infos aus unserem Loose
Reiseführer bestätigen. Es gibt Taxis für 150.000Dong
und
Minibusse für 30.000Dong in die Stadt. Wir nehmen die etwas
zeitaufwendigeren Minibusse. Freunde erzählten uns nachher auch
von
ihrem Taxi, dass an der Mautstation Richtung Hanoi noch einmal
zusätzliche 200.000Dong pro Person kostete. Das scheint bei
Nicht-Airport Taxis der Fall zu sein. Der Minibus setzt uns vor dem
NGOC
Hotel No. 2 am nordwestlichen Ende ab, wo uns der Besitzer gerne Zimmer
zeigt. Wir entschließen uns für eines für $10 im 5.
Stock mit Balkon und Ausblick. Die erste Nach kostet $1 mehr, das ist
der $, den man immer mehr zahlt, wenn einen ein Einheimischer zu einem
Hotel bringt. Sagt einem zwar keiner, ist aber so.
Nach einer Dusche geht es uns
etwas besser, es ist angenehm warm, ca. 18 Grad, kein Vergleich zu den
–5 Grad beim Abflug. Am Nachmittag stromern wir durch das Gassengewirr
der alten Stadt Hanois und verlaufen uns prompt. Danach haben wir immer
einen kleinen Plan bei uns. Es wird nicht das letzte Erkunden der
Altstadt sein, es gibt immer wieder was neues zu sehen und zu
entdecken.
Die Händler einer Gilde sind immer in einer Gegend gruppiert, so
dass es eine Straße lang nur Glasbauer gibt und in der
nächsten nur Korb- oder Schuhhändler. Nur die Gegend um den
Hoan Kiem See herum, speziell das nördliche Ende ist sehr
touristisch. Hier wird man auch immer wieder angequatscht etwas zu
kaufen. Bei unserer ersten Aktion machen wir einen typischen
Anfängerfehler. Ich verhandle über zwei Sets Postkarten, wir
einigen uns für 30.000, ich zahle und später merken wir
erstens, dass Susann sich nur ihren Set hat aushändigen lassen und
dass der Preis für einen Set am Kiosk nur 10.000 ist. So lernt man
dazu. Abends haben wir uns einen groben Überblick verschafft und
planen die Aktionen für die nächsten Tage. Bei dem
Wasserpuppenballett kaufen wir für den kommenden Abend Karten.
Um 7:00 am
nächsten Morgen soll es mit unserer Tour losgehen. Bis es wirklich
mit dem 10-Personen Minibus losgeht ist es schon 7:30, aber das sieht
man hier nicht so eng. Auch dass man beim Aufsammeln der Mitfahrer von
den anderen Hotels immer wieder mal am eigenen Hotel vorbei fährt,
und es schließlich schon nach 8:00 ist, als es Richtung
Duftpagode
geht, ist normal und sollte nicht zu Aggression reizen. Erst geht es
auf
der gut ausgebauten Nationalstraße 1 nach Süden, bis wir auf
eine schlechte Straße, man würde das hier als Feldweg
bezeichnen, abbiegen. In einem kleinen Ort, von wo es dann per Boot
weiter gehen soll, werden wir beim Aussteigen schon von
Armbandverkäufern abgefangen und uns wird ein Armband „geschenkt“.
Unser Boot, wir sitzen zu viert drin, wird von einer jungen Vietnamesin
mit einem Ruder über eine Stunde vorangetrieben. Es geht an
Reisfeldern und Felsformationen vorbei. Von der Anlegestelle geht es
noch eine gute Stunde bei hoher Luftfeuchtigkeit bergauf, vorbei an
diversen Getränkeständen, bis wir die Stufen hinab in die
Höhle der Duftpagode gehen. Die Duftpagode hat ihren Namen
angeblich wegen dem Weihrauchgeruch, aber vielleicht ist keine Saison
für Weihrauch oder die Zeiten sind vorbei, jedenfalls riecht es
eher schlecht. In der Höhle ist es dunkel, und ich bin froh, meine
Maglite dabei zu haben. Viel ist aber nicht zu sehen, ein kleiner
Altar,
ansonsten ist es ziemlich verrußt. Bergab geht es leichter. Auch
die Bootsfahrt zurück geht schneller, weil ich etwas mitrudere, um
mit den anderen Booten um die Wette rundern. Am Hafen gibt es leider
eine unschöne Diskussion um die Höhe eines angemessenen
Trinkgeldes. Angeblich geben alle anderen mindestens noch einmal $2,
unsere 4000Dong werden als zu gering erachtet. Da die Bootsfahrt aber
schon pauschal im Preis abgegolten ist, und wir vier uns nicht
erpressen lassen wollen, gibt es gar nichts. Auch die
Armbandverkäufer ziehen wie erwartet ihre Masche ab nach dem Motto
„ich habe dir ein Geschenk gemacht, jetzt mußt Du was kaufen“. So
kriegen sie halt ihr Armband wieder zurück und fertig. Dieser
kleine Flußort wird uns in eher negativer Erinnerung bleiben, ist
aber in dieser Form die Ausnahme geblieben. Abends gehen wir wieder in
unserem Lieblingsrestaurant essen, ganz in der Nähe des Hotels mit
Balkons von denen man auf das unterhaltsame Treiben auf einer kleinen
Kreuzung schauen kann. Nebenbei ist das Essen auch noch lecker und
günstig.
Der
Bus braucht inklusive dem obligatorischen Leute-Einsammeln fünf
Stunden bis nach Halong City, wo wir noch ein Massenlunch einnehmen,
bevor wir auf der motorisierten Holzdschunke einschiffen. Wir
hängen uns auf das Oberdeck in die Sonne, aber schon nach einer
halben Stunde ist unser erstes Ziel erreicht – die Sungsot Höhlen.
Sind echt schön, aber das Rauf- und Runtersteigen ist ziemlich
schweißtreibend. Leider ist es die übrigen drei Stunden
Bootsfahrt ziemlich diesig, so dass sich keine aussagekräftigen
Fotos dieser Super Insellandschaft machen lassen. Außerdem wird
mir irgendwann kühl, da ich keinen Pulli oder Jacke mit habe, weil
man uns kurzfristig morgens sagte, wir könnten nur einen Rucksack
mitnehmen. Auf Cat Ba werden wir in unser Hotel gefahren und nehmen
gleich erst mal ein Bier an der Promenade, bevor es Abendessen vor dem
Hotel gibt.
Der nächste Tag bietet einen
Tagesausflug mit einem kleineren Holzschiff. Es geht ein paar Buchten
weiter, wo wir wieder anlegen und dann einen Marsch auf einem Betonweg
zu einem Dorf machen. Wir erfahren, dass es sich um ein Volk von
Minderheiten (Viet Hai) von der Insel handelt, aber es sieht nicht
besonders unterschiedlich zu anderen Dörfern aus. Nach einer
kurzen
Rast geht es total steil den Berg rauf, mit einer Steigung wie eine
Treppe, aber leider nur auf einer Schräge ohne großartige
Stufen und mit feuchtem tonhaltigem Untergrund. Nach den ersten 100
Metern sind wir schon durchgeschwitzt, es sind aber insgesamt gute 300
Höhenmeter, bis zu einem ehemaligen Aussichtspunkt der
nordvietnamesischen Armee, von dem sie vor den einfliegenden
amerikanischen Bombern warnen konnten. Unglaublich, dass sie damals
alle Ausrüstung und Verpflegung dort zu Fuß hinauf gebracht
haben, wir waren schon froh unser eigenes Gewicht ohne Kollaps hinauf
geschafft zu haben. Es ist sonnig und der Ausblick ist atemberaubend.
Bergab geht es unwesentlich schneller, da man bei dem starken
Gefälle Probleme hat, sauber Halt zu finden. Unten im Dorf
können wir uns im Restaurant beim Essen erholen. Die Strecke
zurück zum Schiff ist dagegen ein Spaziergang. Wir tuckern in
einem
nach Cat Ba City durch. Das Angebot eines Badestops auf dem Weg lehnen
alle angesichts der Temperaturen dankend ab.
Das Tauschen bei
der Bank am Morgen macht uns zu Millionären. Für die 200€
bekommen wir 3.120.000Dong. Aber wie gewonnen so zerronnen, nachdem wir
das Hotel und die ganzen Touren bezahlt haben, müssen wir gleich
wieder los. Ein Großteil fressen auch die beiden Tickets für
den Nachtzug nach Hue, den wir für heute Abend über das Hotel
gebucht haben. Das kostet $35 pro Person, aber so wollen wir die
Strecke
von guten 600km entspannt überbrücken. Wir bestätigen
hier in Hanoi schon mal die Rückflugticket für Ho-Chi-Minh
City. Das macht China Airlines zwar nicht gerne, weil das noch drei
Wochen hin ist, und wir keinen „festen Wohnsitz“ haben, aber
schließlich geht es doch. Dabei kriegen wir gleich noch neue
Abflugszeiten genannt, die für uns sogar günstiger sind. An
der schönen alten Oper, vor der alles für eine
Übertragung für das abendlichen Länderspieles des Tiger
Cups (so etwas wie die EM für Asien) vorbereitet wird geht es
wieder zurück zum Hoan Kiem See, wo wir noch etwas shoppen und die
Weihnachtspost im Internet Café erledigen. Wir essen etwas und
vertreiben uns die Zeit in einer Straßenkneipe, wo wir bei ein
paar Bier über die Begeisterungsschreie der
Fußballbegeisterten den Spielverlauf gegen Burma verfolgen
können. Vietnam gewinnt. Um 22:20 bringt uns ein Taxi für
korrekte 13.000Dong (nach Taxameter) zum Bahnhof, und wir beziehen
unsere Plätze in der Vierbett Kabine, die wir mit einem
australischen Pärchen teilen. Hier sehen wir die einzigen
Kakerlaken unserer Reise. Der Zug setzt sich pünktlich um 23:00 in
Bewegung, und wir uns bald zur Ruhe auf den Betten.
Morgens regnet es
immer noch und wir
überlegen ernsthaft, ob wir die $2 Tour zu den Gräbern
entlang
des Parfume Rivers nicht sausen lassen sollen. Aber zum Glück
reißen wir uns doch noch aus dem Stimmungstief und lassen uns zum
Fluß fahren. Als wir in das überdachte Drachenboot steigen,
hat es schon fast aufgehört zu regnen. Der erste Stop ist die
Thien Mu Pagode, ein achtstöckiger Bau, der am Ufer direkt
aufragt. Zu sehen ist auch der Austin, der einen der Mönche damals
nach Ho-Chi-Minh Stadt gefahren, um sich aus Protest zu verbrennen. Zur
zweiten Station, dem Tu Duc Grab, ist es weiter. Wir tuckern eine
Stunde den Fluß entlang und haben Zeit, die Flußlandschaft
und das Leben auf dem Fluß zu betrachten. Neben den Fischern und
Bauern gibt es auch Unmengen von Booten, die per Muskelkraft die
Fahrrinne vertiefen und das Ausgehobene dann flussabwärts fahren.
Für das Tu Duc Grab hat unsere Bootsbesatzung eine Anlegestelle
ausgesucht, an der es nötig ist, sich von Motorrollern zum Grab
fahren zu lassen. Das kostet schon die nächsten 20.000Dong, am
Grab sind dann weitere 55.000Dong fällig. Es ist eine große
Anlage mit kleinem See und vielen Einzelgebäuden. Beeindruckend,
dass sich jemand sein eigenes Grab zu Lebzeiten bauen läßt
und den Bereich auch schon zu Lebzeiten nutzt. So ist es auch eine
Wohnanlage. Beeindruckend.
Der
Hon Chen Tempel ist uns keine 20.000Dong wert. Das nächste Grab,
das Khai Dinh Grab, wollen wir uns auch nicht leisten, weil wir uns
mehr
vom Minh Ming Grab erwarten. Auch hier hätten wir wieder
zusätzlich zu den 55.000Dong eine Rollerfahrt von 20.000Dong
gehabt, und uns ging das Geld aus. Im Nachhinein bedauern wir es, denn
die folgende Minh Mang Anlage gleicht der Tu Duc Anlage und das Khai
Dinh Grab wäre etwas Besonderes aus Stahlbeton gewesen. Auch Minh
Mang kostet natürlich wieder die obligatorischen 55.000Dong.
Zwischendrin gibt es ein Essen aus der Bordküche des mit 15 Leuten
voll besetzten Drachenbootes. Nicht schlecht. Die Rückfahrt
geschieht in einem Rutsch und sogar die Sonne bricht teilweise durch.
Wir tauschen noch die letzten Traveller Schecks, ruhen uns aus und
essen
etwas in einem der typischen Backpacker Restaurant. Danach reizt uns
doch einer der zahlreichen Lampenstände, an denen bespannte Lampen
in verschiedenen Formen angeboten werden, die an die runden IKEA
Papierkugellampen erinnern. Sie sind aber mit Stoff bespannt. Wir
erstehen schließlich vier Stück für 180.000Dong.
Der Bus für die DMZ II
(DMZ für demilitarized zone) Tour fährt schon um 6:00 ab,
theoretisch. Um 7:00 fahren wir das letzte Mal an unserem Hotel vorbei,
dann geht es Richtung Norden. Die Straße ist schlecht, es gibt
große Baustellen mit Schlaglöchern, durch die der Bus
durchschleicht. In Dong Ha gibt es ein einfaches Frühstück,
das in den 120.000Dong eingeschlossen ist. Jetzt steigt ein Führer
dazu, der erstens sehr gut englisch und zweitens auch noch gut
erzählen kann.
Er erzählt von
seiner Kinderzeit, von seinem
kleinen Dorf und den freundlichen amerikanischen Soldaten und
schließlich vom Krieg und den Zusammenhängen. Er hat so eine
ironische Art, dass wir hinter den Worten doch immer die
unausgesprochene kritische Einstellung gegen die Amerikanern heraus
hören. Die DMZ, die 1954 entlang des Flusses Ben Hai festgelegt
wurde, wurde auf 10km Breite im Küstenbereich gerodet. Im Krieg,
der ja nie ein erklärter Krieg war, wurde das Gebiet durch
Artilleriefeuer praktisch unbewohnbar und die Bevölkerung wurde
evakuiert. An der neuen Brücke über den Ben Hai steht ein
ungepflegtes Denkmal für die Befreier, den Nordvietnamesen. Kurzer
Fotostop, ein paar Erläuterungen, dann geht es weiter zu dem Vinh
Moc Tunnelsystem. Als das Leben über der Erde immer
unerträglicher wurde, haben die Bewohner des kleinen Dorfes Vinh
Moc (wie auch von vielen anderen Dörfern) mit Unterstützung
der Vietcong ihr Leben unter die Erde verlegt. 300 Menschen lebten
für 3 Jahre unter der Erde, konnten nur nachts an die frische
Luft.
Wir können uns kaum vorstellen, wie man in dieser Feuchtigkeit und
in dieser Enge so lange aushalten kann und sind froh, als wir durch
einen Ausgang an den Strand kommen. Wir sehen auf dem Rückweg zum
Restaurant noch einen (ungepflegten) Ehrenfriedhof und einen
zurück gelassenen Panzer der Amerikaner. Dann gibt es Mittag.
Am Nachmittag
biegt der Bus auf die Nationalstrasse 9 Richtung laotisches Grenze
entlang des Ben Hais ab. Der flache Bewuchs kommt von den
Entlaubungsaktionen der Amerikaner, die damit den gesamten
Großbaumbestand getötet haben. Ziel war es, den Ho Chi Minh
Pfad, den Nachschubweg des Vietcong, zu entdecken. An einem wie eine
Beule heraus stehenden Berg halten wir an. Dies war der Rock Pile, ein
Aussichtspunkt der Amerikaner, um weit in die DMZ hinein zu schauen.
Die
Station auf dem Gipfel wurde per Hubschrauber versorgt. Auf dem
weiteren Weg wird noch ein Stop in einem Minderheitendorf gemacht, aber
bei so etwas habe ich immer ein blödes Gefühl. Man muß
sich nur mal vorstellen, zuhause laufen Fremde um das eigene Haus herum
und bestaunen uns. Dieses Volk lebt in Pfahlhäusern und zeichnete
sich äußerlich dadurch aus, dass die Frauen langstielige
Pfeifen rauchen. Ein paar Kilometer weiter ist die ehemalige Khe San
Base im Dschungel, die damals in völliger Fehleinschätzung
der
Amerikaner unter immensen Material- und Menscheneinsatz verteidigt
wurde, während der Tet Offensive der Vietcong in den Städten.
Schließlich wurde sie dann doch aufgegeben. Es ist nicht viel zu
sehen für das Eintrittsgeld, das Museum ist erst in der
Entstehung.
Nach dem Krieg hat die Zivilbevölkerung mangels anderer Quellen
alles mitgenommen was irgendwie verwertbar war, unter anderem auch die
Eisenplatten, die die 2km lange Startbahn bildeten. Es ist
bedrückend. In der hereinbrechenden Dunkelheit geht es zurück
nach Hue. Auf dem Weg halten wir noch an einer vollkommen zerschossenen
Kirche. Um 19:00 sind wir endlich wieder „daheim“. Ein langer Tag.
In Hoi An finden
wir nach ewiger Suche ein freies Hotelzimmer, das wir allerdings mit
teuren 270.000Dong bezahlen müssen. Danach erfahren wir, daß
es eine generelle Bettenknappheit für Budget Hotels hier gibt. Wir
tauschen Geld, nur um gleich danach in einen Kaufrausch zu verfallen.
Der Ort ist bekannt für seine vielen Schneidereien, die einem alle
Wünsche – auch aus Katalogen – auf Maß fertigen. Susann
verliebt sich in handgefertigte Sandalen, danach gibt es bei einem
Schneider Aufträge für Trekkinghosen, Kordhosen, Tops
undundund. Erschöpft gönnen wir uns eine Komposition
einheimischer Gerichte und gehen zum Hotel.
Ausgerechnet in diesem teuersten
Hotel
unserer Reise haben wir mit Mücken zu kämpfen. Am Morgen
ziehen wir um in ein Hotel, dass mit 105.000Dong mehr unsere
Preisklasse
ist. Nach dem Frühstück zieht es uns noch einmal in „unsere“
Schneiderei, weil uns abends noch mehr eingefallen ist, und wir den
Platz im Rucksack noch mal überprüft haben. Ich bestelle
unter anderem auch einen neuen Fleecepullover. Alles soll am
nächsten Tag fertig sein. 
Aber wir wollen touristisch nicht ganz
untätig sein und kaufen ein Kombinationsticket für die Tempel
und Häuser, die die Stadt bekannt gemacht haben. Als alter
Handelsort ist Hoi An seit je her ein Mix verschiedener
Nationalitäten und Baustile. Ein Teil der alten Häuser ist
noch erhalten und zu besichtigen. Wahnsinn, wie gut die teilweise 200
Jahre alten noch bewohnten Privathäuser erhalten sind. Das
Keramikmuseum reißt uns nicht vom Hocker, die Dance Performance
ist gut gemacht. Irgendwie bekommen wir danach doch Bedenken wegen
unserem Transportvolumen und erwerben noch zwei mittelgroße
Rucksäcke für je 105.000Dong.
Im
Ort zurück wollen wir unsere ganzen bestellten Sachen abholen,
aber
zu unserem großen Schreck stehen wir bei der Schneiderei vor
geschlossenen Türen. Die Besitzer der Nachbarläden
vertrösten uns immer auf die folgende Stunde, und so warten wir
anderthalb Stunden bis die Besitzerin schließlich kommt. Im Laden
entdecken wir die halbfertigen Sachen. Die Besitzerin ist etwas
aufgelöst, offensichtlich hat die Tochter, die alle Aufträge
angenommen hat und heute leider nicht da ist, die Aufträge
vergessen. Roller flitzen zwischen Geschäft und Näherei hin
und her. Es muß jetzt schnell gehen, weil wir um 18:00 wieder am
Hotel sein müssen. Dann fährt unser Nachtbus nach Na Thrang.
Irgendwie klappt alles doch noch (auch wenn Susann später
feststellt, dass sie zwei Teile vergessen hat einzupacken) und ich kann
mit Visacard bezahlen. Wir besorgen uns noch zwei Sandwiches von einem
Straßenstand und hetzen zum Hotel. Die Zeit reicht gerade noch,
die ganzen Einkäufe zu verstauen, sich etwas frisch zu machen und
zu essen. Dann kommt der Bus und es geht hinaus in die Nacht.
Eigentlich
wollten wir solche Nachtfahrten mit Bussen vermeiden, aber leider
fährt der Zug zu ungünstig, die Entfernung ist zu groß,
und es sind keine brauchbaren Stationen auf dem Weg. So haben wir in
den sauren Apfel gebissen. Dafür kostet es nur 150.000Dong. Es
gibt öfters Baustellen, durch die der Bus kilometerweit nur im
Schrittempo schleicht. Gegen 23:00 werfe ich mir eine Schlaftablette
ein und kann tatsächlich etwas schlafen. Gegen Morgen merkt man
dann, dass der Bus auch noch Probleme mit Kupplung und Getriebe hat,
und wir sind froh, als wir mit drei Stunden Verspätung gegen 9:00
in Na Thrang ankommen. Der Busfahrer konnte nur noch per Anlasser
losfahren, weil die Kupplung nicht trennte. Nach einer Pseudoreparatur
am Straßenrand vor unserem Hotel fährt er weiter nach
Ho-Chi-Minh Stadt!
Heute ist der
letzte Tag des Jahres – Sylvester. Wir haben unser Ziel erreicht, den
Jahreswechsel am Strand verbringen zu können. Es ist zwar bedeckt
aber immer noch deutlich über 20 Grad warm. Wenn einem kalt wird,
dann kann man ins Wasser gehen. Die Brandung ist der Wahnsinn,
Superwellen, die – wenn man nicht aufpaßt – einem so die Beine
wegreißen, dass man nicht mehr weiß wo oben und unten ist.
Etwas nervig sind die ständigen Fragen der Verkäufer von
Sonnenbrillen, Büchern oder Zigaretten. Bei der einzigen
Obstverkäuferin des Tages kaufen wir allerdings eine Auswahl des
Landes, Rambutans, Bananen und Drachenfrucht, die eine bißchen
von
Fleisch her wie weiße Kiwi aussieht und auch schmeckt.
Nachmittags gehen wir noch Geld tauschen (der Kurs ist hier erheblich
besser als in Hue oder Hoi An) und e-mails checken. Überraschung –
Susanne und Peter haben endgültig die Nase voll vom Regen in den
Nationalparks im Norden und sind in einem Rutsch bis hier in den
Süden gefahren. Ich suche ihr Hotel, und wir alle essen zusammen.
Die Nacht verbringen wir dann im T-Shirt bis 4:00 morgens am Strand und
laben uns an dem Wodka O-Saft des Sailing Clubs, dem einzigen Laden, an
dem hier was los ist. 
In Da
Lat kommen wir trotz der Widrigkeiten gegen 15:00 an und finden auch
ohne Probleme ein Riesenzimmer mit Aussicht auf den See für $10.
Mit dem Abduschen des Drecks müssen wir uns wegen Stromausfall
noch
ein wenig gedulden und können den Megasonnenbrand auf Stirn und
Nase, und Susann sogar auf dem Stück, das zwischen Hose und
Schuhen frei blieb, pflegen. Beim ersten Durchschlendern gibt uns der
Ort nicht viel. Im Reiseführer steht etwas von Erholungsort
für die hitzegeplagten Küstenbewohner und alte
französische Häuser. Kühler ist es allerdings, wir
hatten
schon zum Fahren Jacken anziehen müssen, die brauchen wir abends
auch wieder. Es gibt nicht viele Restaurants für Touristen hier,
wir werden aber angesprochen und sind mit dem Empfohlenen recht
zufrieden.
Unser Versuch am nächsten Tag das französische Viertel oder dementsprechende Häuser zu finden, ist nicht so erfolgreich. Wir laufen praktisch die ganze Innenstadt ab, sehen auch das eine oder andere Haus, von dem wir annehmen, dass es mal die Franzosen gebaut haben, aber es beeindruckt uns nicht besonders. Der Großmarkt direkt im Zentrum ist schon aufregender. Wie überall gibt es hier einfach alles von der Plastiktasse bis zu Fleisch und Fisch lebend oder tot. Wir haben ja die Roller zur Verfügung und nutzen sie am Nachmittag, um uns das „verrückte Haus“ anzuschauen. Eine vietnamesische Architektin hat ein Haus in Da Lat gebaut, das ein wenig an den Stil von Hundertwasser erinnert. Alles sehr homogene Formen. Ich finde es schade, dass es nicht aus natürlichen Materialien ist sondern aus Beton. In den nahe gelegenen Sommerpalast von Bao Dai, dem letzten Kaiser Vietnams, gehen wir nicht rein, er wirkt von außen nicht besonders vielversprechend. Stattdessen fahren wir zum nächstgelegenen Wasserfall, dem Datanla Wasserfall, zu dem wir gegen einen geringen Obolus hinabsteigen können. Ein kleiner Wasserfall erwartet uns, nichts legendäres. Abends packen wir wieder, am Morgen soll es früh losgehen.
Wir fahren ohne Frühstück los. Es ist noch etwas frisch auf dem Paß, über den wir wieder rüber müssen, um auf dem gleichen Weg zurück in die Ebene zu kommen. Unser erstes Essen besteht aus Pepsis und einer Wassermelone, da wir der Frau in dem kleinen Restaurant nicht begreiflich machen können, daß wir Kaffee wollen. In Phan Rang tanken wir wieder und nehmen die Nationalstrasse 1 Richtung Süden mit schönen Blicken auf das Meer. Es ist heiß, wir machen ab und zu Pausen unter den Palmen am Straßenrand. Ich versuche mich vor der Sonne zu schützen und sehe aus wie eine Marktfrau mit meinem Piratentuch. Trotz der Hitze habe ich auch meine Jacke an. So fahren wir mit 70 bis 80 Sachen dahin, bis ich mal anhalte, um mich zu vergewissern, ob Susann noch hinter mir ist. Die Roller haben nämlich keine Spiegel. Susann ist nicht da, ich warte ein wenig, schließlich fahre ich wieder zurück. Nach ca. 2km sehe ich sie, sie läuft hinter einem Vietnamesen her, der ihren Roller schiebt. Sie hat einen Platten hinten gehabt und konnte den Roller gerade noch abfangen. Ihren Helfer erkenne ich auch schnell wieder, es ist der Vermieter, der seine Roller in Mui Ne wieder übernehmen wollte. Er hat Susann schiebend aus dem Bus gesehen hat und ihn gleich zum Anhalten gebracht hat. Nach einem halben Kilometer findet sich ein Reifenflicker, der sich gleich ans Werk macht. Ein Flicken hatte sich gelöst und es gibt einen neuen Schlauch. Die Umstehenden vergleichen ihre Körpergröße mit unseren und amüsieren sich über die westlichen Riesen.Der Nachmittag steht dann unter
dem Motto
„Abhängen“. Der Strand ist nicht so schön wie in Na Thrang,
er
ist härter und die Brandung ist auch nicht so aufregend. Aber es
reicht zum Entspannen. Ein bisschen Strandlaufen macht uns so hungrig,
dass wir zwischendurch noch ein Strandrestaurant aufsuchen müssen.
Auf unserer Veranda lesen wir noch etwas und genießen das Obst.
Der Tag endet entspannt und ereignislos im Restaurant mit Blick aufs
Meer.
Wir
hatten herausgefunden, dass die Mietpreise für Roller in unserem
Resort etwas unverschämt waren. Sie waren auch nicht einmal zu
Verhandlungen bereit. So gingen wir über die Straße und
mieteten uns im Kim Chi Restaurant für 50.000Dong einen Roller
für einen halben Tag. Irgendwie wollen wir doch noch was
Sinnvolles
machen und fahren zu den großen Dünen von Mui Ne. Leider
merke ich zu spät, dass der Roller etwas wenig Luft auf dem
Hinterreifen hat, und wir eiern etwas vorsichtig über die
Nebenstrecke. An den Dünen ist das übliche
Touristendrumherum,
viele Buden und kleine Restaurants. Wir trinken in einem etwas und
können dort den Roller stehen lassen. Kinder nerven uns so lange,
bis wir bei ihnen zwei Slider mieten, Plastikplatten, mit denen man
angeblich die Dünen runterrutschen kann. Die Dünen sind
klasse, es ist auch nicht viel los. Die Slider funktionieren nicht
richtig, wir sind wohl zu schwer. In Mui Ne lassen wir uns den
Hinterreifen aufpumpen. Die Jungs wollen uns gleich einen neuen Reifen
verkaufen. Auf dem Weg zurück frühstücken wir erst
einmal
schön, nutzen dann den Roller um nach Phan Tiet zu fahren. Dann
geben wir den Roller ab und entspannen noch etwas bis zur Abfahrt des
Busses.
Kurz vor 14:00 gehen wir vorne
an den
Eingang des Resort, wo uns der Bus aufnehmen soll. Der Bus kommt mit
einer Stunde Verspätung, man hat uns wohl erst in einem falschen
Resort gesucht. Selbst die Frau an der Rezeption ist unsicher geworden
und hat herumtelefoniert. Dann geht es im bekannten zügigen
Fahrstil Richtung Ho-Chi-Minh City, tatsächlich noch unterbrochen
von einer Pause für die 4-Stunden Strecke. In Saigon, wie der
innere Stadtkern immer noch heißt, werden wir vor einer Travel
Agency abgeladen und laufen einfach mit unserem Gepäck die Duong
Pham Ngu Lao entlang, ein Hotel ist hier neben dem anderen. Die ersten
beiden haben kein Zimmer, das dritte, das so teuer aussieht, dass wir
es
eigentlich nur der Vollständigkeit abfragen, kommt uns beim
Zimmerpreis von $18 auf $10 entgegen. Nach kurzem Frisch machen, es ist
inzwischen fast 21:00, laufen wir durch die nähere Umgebung und
essen was. Susann zieht mich auf - es wäre Hund, aber
Nachfragen bestätigt mich, es ist doch Huhn. Die Stadt
gefällt
uns erst einmal nicht besonders. Gerade dieses Viertel ist voll mit
Touristen und wie überall, wo Touristen so konzentriert auftreten,
ist vom Land nicht mehr so viel zu spüren. Auch fällt uns
hier eine Hinterlassenschaft der Amerikaner sehr auf – Prostituierte
und passende Kundschaft.
Morgens gehen wir
zuerst zum China Airlines Büro, um abzuklären, ob unsere
Reconfirmation aus Hanoi hier auch bekannt ist – sie ist. Wir
suchen auch noch einen Laden, der uns kurzfristig Visitenkarten machen
kann, aber unter einer Woche ist da normal nichts zu machen. Im Ben
Thanh Markt schauen wir uns nach letzten Souvenirwünschen
um.
Ich suche noch einen dieser Moskitovorhänge aus Bambus, die man in
die Balkontür hängen kann, und werde hier fündig.
Anderswo finden wir diese Art nicht. Auch die einheimischen kleinen
Expressozubereiter haben es uns angetan, und wir erwerben zwei Paar aus
Edelstahl. Allgemein haben wir aber auch von diesem Markt den Eindruck,
dass er schon recht touristisch ist. In einer französischen
Patisserie beim Hotel Continental, auch bei Graham Greens „Stillen
Amerikaner“ erwähnt, trinken wir die teuersten Lemon Juice unserer
Reise, sie kosten ganze 42.000Dong, fast $3 für zwei
Getränke.
Mehr aus Langeweile kaufe ich mir noch zwei T-Shirt und kann sie statt
für 60.000Dong für 45.000Dong bekommen. Das ist die beste
Voraussetzung fürs Handeln, wenn es einem eigentlich egal ist,
wenn es nicht geht, dann eben nicht. Durch das alte Viertel mit vielen
noch gut erhaltenen Französischen Kolonialbauten gehen wir zum
Saigon River. Hier gibt es aber nicht viel zu sehen und so gehen wir
ins Hotel uns ausruhen.
Das Abendessen nehmen wir in
einem
kleinen Restaurant in einer der Querstraßen vom Duong Pham Ngu
Lao. Es wird das witzigste Abendessen unserer Reise. Das Essen ist
schon
mal sehr gut, meine Portion Shrimps bestehen wirklich aus zahlreichen
ausgewachsenen Exemplaren und der Crab fried Rice und das Curry von
Susann sind auch sehr gut. Aber am besten ist der vietnamesische
Besitzer, der mit Freunden am gleichen Tisch zecht, uns dabei von Krieg
und der Zeit danach erzählt. Dabei gießen sie sich einen
Reisschnaps nach dem anderen hinter die Binde und laden uns auch zu
diversen ein. Aber im Gegensatz zu uns, hat er bei ihnen
durchschlagenen Erfolg. Als wir schließlich aufstehen, ist die
Stimmung richtig gut und die Aussprache bescheiden.
Jetzt müssen wir uns noch etwas Zeit totschlagen und gehen noch einmal CDs einkaufen. Nach einer Stärkung sehen wir beim Herumschlendern unseren alten Bekannten, mit dem wir schon die Duftpagoden Tour von Hanoi aus gemacht haben. Vietnam ist klein und wenn man einmal in derselben Richtung unterwegs ist, sieht man sich immer wieder. Wir haben uns einiges zu erzählen, leider sitzt er aus Versehen in einer Anmacherbar, wo Getränke doppelt so teuer sind wie sonst. Kurz vor drei gehen wir ins Hotel, ich ziehe mir schon mal die Jeans an, und wir lassen ein Taxi kommen und machen den Preis zum Flughafen klar, $5 kostet es. Ich hatte schon die ganze Zeit nach diesen typischen geflochtenen Körben geschaut, aber ausgerechnet hier in Ho-Chi-Minh City wurden sie nirgendwo angeboten. Und prompt auf dem Weg zum Flughafen sehe ich einen Korbhändler neben seinem Fahrrad dösen. Zum Glück versteht der Taxifahrer schnell was ich will und hält einfach auf der engen Straße, ich springe raus, wecke den guten Mann und erwerbe in einem hurtigen Verkaufsgespräch so ein Exemplar.
Der Flughafen sieht eigentlich
gar nicht
wie ein internationaler Flughafen aus, irgendwie provinziell. Wir geben
gleich das Gepäck ohne Probleme auf. Ich hatte mir Sorgen wegen
dem
Gewicht gemacht, aber unsere drei Gepäckstücke haben gerade
mal 30kg. Mit Wasser und Gebäck genießen wir noch etwas die
Atmosphäre vor dem Flughafen, dann geht es zurück nach Hause.
Ein hektischer Zwischenstop in Taipeh, wo wir nur von einem Flugzeug
zum
nächsten hetzen und uns auf dem Weg noch dicker anziehen, dann
hebt der Airbus für die letzten 14 Stunden ab. Eine Schlaftablette
hilft mir, wenigstens etwas Schlaf zu finden. Deutschland empfängt
uns mit Sonne und 40 Grad weniger, es sind –10 Grad.
Eric Koch
Februar 2003