Die Reise
zum Elefanten in der
Schlange
(erschienen in MOTALIA Nr.
69/1994)
Portugal und Spanien, wie oft hatte ich
schon geplant und versucht, einen Urlaub dort zu machen. Immer blieb
ich irgendwo unterwegs hängen, wenn nicht in den
französischen Hochalpen oder im generell urlauberfreundlichen
Frankreich, dann aber doch spätestens in den Pyrenäen. Aber
das sollte dieses Jahr anders werden! Vier Wochen iberische Halbinsel!
Die Planung sah vor, in zwei Tagen bis an die spanische Grenze nach
Biarritz via Autobahn zu fahren und dann gemütlich den Urlaub an
der spanischen Nordküste zu beginnen.
Nach
1250 Kilometern Autobahn (80 DM) trafen
wir dann tatsächlich „termingerecht“ in Biarritz ein, mußten
aber leider einen Tag Zwangspause einlegen, um das hintere Federbein
der
BMW R 80 GS von Sonja zu ersetzen, das schon am Abend des ersten Tages
mit Öl um sich warf. In Frankreich haben zwar auch sonntags die
Supermärkte geöffnet, doch auch Motorradhändler kennen
den Pfingstmontag. So ruhten wir uns also aus und hatten auch
genügend Zeit, die Sachen zu trocknen, die wir Dank der teilweise
eimermäßigen Regengüsse in den vergangenen zwei Tagen
als dritte Haut trugen. Einhergehend mit dem starken Gegenwind ergab
sich daraus dann natürlich auch eine recht anstrengende Anfahrt.
Nach dieser
kleinen Episode überquerten wir
die Grenze und ließen das schlechte Wetter hinter den
Pyrenäen und damit hinter uns. Wir begannen unseren Spanienurlaub
in Vitoria, einer Stadt, die bekannt dafür sein soll, die
angeblich meisten und schönsten Balkone Spaniens zu haben.
Für uns Neulinge war alles sehr beeindruckend und nötigte uns
auch das eine oder andere „OH“ ab, aber inzwischen wissen wir,
daß Vitoria eigentlich nichts besonderes darstellt.
Nach einer
Nacht als alleinige Benutzer des Campingplatzes der Stadt und einem
empfehlenswerten Blick vom „Balcon de la Rioja“ am nächsten Morgen
(Rioja übrigens auch der Name eines sehr brauchbaren Weines)
hinunter in das Ebrotal ging es querbeet weiter in den Nationalpark
‘Picos de Europa’, einem Ausläufer der Kordilleren, der mit Bergen
um die 2.500 Meter glänzt und stark an die französischen
Hochalpen erinnert. Hier ist es nur noch ruhiger. Super ausgebaute
Straßen ließen das Fahren auch entspannend genug sein, um
alles zu genießen. Hier traten dann leider kurz hintereinander
auch die einzigen beiden Pannen an der Guzzi auf. Erst riß die
Halterung der rechten Auspufftüte und kurz danach brach die
Tachowelle. Ein liebevoller Knoten mit Schleife ließ den Topf
aber vorerst in seiner Position verharren. Die mal auf Reserve gekaufte
Tachowelle lag zum Glück Zuhause. In einem der nächsten Orte
wurde dann der Auspuff fachmännisch in einer Citroen Werkstatt
geschweißt. Wir mußten nicht einmal etwas bezahlen, da die
Besitzerin froh war, mal wieder ihr Französisch auszuprobieren
(Sonja sein Dank).

An der
Küste
entlang schwangen wir dann Kurve um Kurve über Ortigueira und
Ferrol nach La Coruna. Am beeindruckendsten war dort der alte
Leuchtturm, der, schon von den Römern erbaut, immer noch in
Betrieb ist. Aber auch hier gab es keinen Guzzi-Händler. Es gibt
angeblich ganze vier Stück in ganz Nordspanien, erfuhren wir von
Einheimischen. 
Bei
einem großen Japanerhändler
wurde ich endlich fündig, wenn auch nur Dank einer unorthodoxen
Idee des Meisters. Er nahm eine Sanglas-Tachowelle und streckte sie mit
Hilfe eines Schraubstockes um die fehlenden 8 mm auf die richtige
Länge. Sie funktioniert heute noch. Nun wieder ganz
funktionstüchtig ging es weiter an das Cabo Finisterre, den
westlichsten Punkt von Spanien. Bei uns hieß er schnell „die
westlichste Müllverbrennungsanlage Spaniens“, ob des direkt neben
dem Leuchtturm schwellenden Mülls. Wir empfanden diesen relativ
anstrengenden Abstecher (federungstechnisch) als wenig lohnenswert.
Santiago de Compostela war schon interessanter. Zwar touristisch
ziemlich erschlossen, bot es doch mit seiner großen
Wallfahrtskirche und der Altstadt ein nettes Bild. Die kommende Nacht
war dann die erste Nacht, in der wir wohltemperiert durchschliefen,
hatten wir doch, clever wie wir waren, unter dem Motto „Wir fahren in
den Süden in den Sommerurlaub“ (wobei Sommer hier als Synonym
für Wärme steht) nur einen (!) Schlafsack als Decke
mitgenommen. Dafür war es, wie wir feststellen mußten, doch
noch etwas früh im Jahr und wir verfluchten unseren Leichtsinn.
Aber es wurde ja doch noch wärmer.
Am
Morgen danach brachen wir zum 130 km entfernten Porto auf, der
zweitgrößten Stadt Portugals, in der festen Annahme,
spätestens am frühen Nachmittag in Ruhe nach dem Zeltaufbau
den ersten Kaffee am Rio Douro zu schlürfen. Porto war auch leicht
zu finden, nur den einzigen städtischen Campingplatz fanden wir
Mangels Ausschilderung erst nach drei Stunden und 100 km. Dabei hatten
wir die Suche nach ihm nur knapp einen Kilometer Luftlinie von ihm
entfernt aufgenommen, wie wir später feststellen mußten. Nur
hörte immer wieder die Ausschilderung auf, naja: C’ est la vie.
Der Campingplatz an sich ist schön und in einem alten Park
gelegen,
mit vielen schattenspendenden Bäumen, Nahe des
Schnellstraßenrings im Norden der Stadt. Das Stadtzentrum
erreichten wir mit dem Bus und konnten so wenigstens noch einen
gemütlichen Abend am Fluß verbringen. Porto glänzt
durch viele Portugal-typische gekachelte Fassaden und ein Stadtzentrum,
das eine faszinierende Mischung aus sehr schön restaurierten und
ungepflegten, „benutzten“ Häusern ist. Die Stadt lebt und hat
Flair. Es wirkt alles trotz seiner Größe sehr provinziell
aber dennoch urgemütlich. Porto gefiel uns sehr. Am nächsten
Tag machten wir noch etwas Sightseeing und besichtigten auch eine
Portwein-Kellerei. Eine empfehlenswerte Sache, nicht nur wegen der
Gratis-Portweinproben danach, sondern auch durch den Wissensvorsprung
beim nächsten „Fachgespräch“. Abgeschlossen haben wir den Tag
mit einem fulminanten Mahl auf dem Campingplatz und einer Flasche
Mateus (gesprochen Mate-usch, richtige Aussprache kommt nach einigen
Flaschen automatisch), einem leckeren Rose.
Weiter ging
es in
das Landesinnere, wo wir in das Wintersportgebiet (man höre und
staune) von Portugal wollten. Die Berge dort, die auch noch zu den
schon erwähnten Kordilleren gehören, sind immerhin bis zu
1700
Meter hoch. Auf dem Weg dorthin ging es durch das Weinanbaugebiet, das
als einziges berechtigt ist, die Trauben für den Portwein zu
liefern. Außerdem taugt die Gegend auch noch zum Motorradfahren.
Abends kamen wir dann aber doch abgekämpft auf einem der wenigen
offenen Campingplätze an. Die 300 km am folgenden Tag zeigten aber
auch die andere (Straßen)Seite von Portugals Infrastruktur. Wir
brauchten für diese Strecke nach Tomar den ganzen Tag ohne Pausen
zum Fahren und waren abends total abgeritten. 300 km Kurve an Kurve auf
kleinen mit Steinchen und Sand bestreuten Sträßchen gehen an
die Substanz. Hier zeigte sich der Sinn hinter dem Ausspruch „Portugal
ist das größte kleinste Land in Europa“. Man kam auf den
Nebenstrecken einfach nicht vorwärts. Jedenfalls gaben wir uns
vier Tage Ruhe bei Sonjas Vater, der bei Tomar lebt. Sehr schöne
idyllische Gegend direkt am Rio Zezere, dem Trinkwasserfluß von
Lissabon, nur etwas wenig los. Aber ideal zum Erholen.

Ganz
untätig
konnten wir allerdings doch nicht bleiben, und so machten wir zwei
Tagestouren. Die erste ging nach Coimbra, einer netten Studentenstadt
mit eigentlich nichts Besonderem außer Atmosphäre.
Am
zweiten Tag stoppten wir auf dem Weg nach
Nazare, einem schwer touristisch angehauchten Fischerort, in Fatima,
einem Ort, der sich lediglich durch die Kirche mit dem
größten Vorplatz der Welt auszeichnet. Ursache hierfür
waren drei Hirtenkinder, die vor 70 Jahren eine „Erscheinung“ hatten
(christlicher Natur natürlich). Dieses machte aus dem Ort einen
Mammutwallfahrtsort. Wir waren zufällig gerade an einem Sonntag
dort. Es tobte der Bär! Ein riesiger Open Air Gottesdienst im
klassischen urbi-et-orbi-Rom-Stil ging dort ab. Dazwischen dann die
ganzen Büßer, die, auf Knien rutschend, Wachsnachbildungen
von zu heilenden Extremitäten einen kilometerlangen Mamorweg nach
vorne zum Segnen brachten. Merkwürdige Vorstellung, die bei uns
nicht unbedingt auf Verständnis stieß. Aber zum Anschauen
war es doch ganz interessant.
Nach vier
Tagen relativer Ruhe ging es
schließlich weiter in Richtung Süden. Wir sind gleich
morgens losgefahren, haben mittags in Lissabon in der Jugendherberge
eingecheckt und sind mit der Metro in die Stadt gefahren. So hatten wir
noch den ganzen Nachmittag zum Schauen. Hier sieht man vielleicht am
deutlichsten, daß Portugal einmal Kolonialmacht war. Eine
schöne Innenstadt mit breiten Straßen und prächtigen
Häusern auf Meereshöhe und kleine steile Gassen oben in der
Altstadt, der Alfama. Von dort hat man auch einen schönen
Überblick über die Stadt und den Fluß. Am Fluß
steht übrigens auch die Jesusstatue, die das Vorbild derselbigen
in Rio de Janeiro ist. Wenn es die Wetterlage zuläßt, kann
man eine Aufnahme von dem Vorbild der Golden Gate Bridge machen, die
aber leider ebenso häufig wie das Original im Dunst verschwunden
ist. Sehenswert auch das Jeronimokloster im maurisch angehauchten Stil
und der Rest der alten Hafenfestung in Belem. Man kann bestimmt noch
längere Zeit in Lissabon verbringen, aber die hatten wir nicht bei
dem Programm, das wir uns vorgenommen hatten.
Das
nächste Ziel war die Algarve,
genauer gesagt Sagres am äußersten Zipfel. Wir hatten beim
Lesen des Reiseführers beschlossen, daß die ganzen
unheimlich romantischen, stilechten und ruhigen „Fischerdörfer“ an
der Küste uns wahrscheinlich zu voll sein würden. Sagres
hörte sich ganz interessant an wegen der Seefahrerschule von
Heinrich (dem Seefahrer). Nach 300 km Anfahrt mußten wir
feststellen, daß es von dieser Schule außer einer riesigen
steinernen Windrose und einigen verfallenen Gebäuden nicht viel zu
sehen gab. Das dicht dabei liegende Kap Vincente mit dem angeblich
lichtstärksten Leuchtturm Europas gab auch nicht viel her, wohl
auch weil es recht bedeckt war. Hier an dieser westlichsten Stelle
Europas hatten wir schon 5000 km hinter uns. Leute, die wir trafen, und
die direkt fuhren, waren immerhin ca. 2800 km unterwegs. Ganz
schön weit.
Auf dem
Weg nach Gibraltar durchquerten wir
Andalusien mit seinen riesigen Orangenplantagen und übernachteten
noch in Cadiz. An der Meerenge kurz vor Gibraltar blies es uns
fast von den Motorrädern. Wir mußten zum Tanken die
Maschinen gegen den Wind auf den Hauptständer stellen, ansonsten
wären sie automatisch abgebockt worden. Das soll aber typisch
für diese Gegend sein und sie als Surferparadies auszeichnen. Von
den Bergen bei Tarifa konnten wir dann sogar die Spitzen des
Rif-Gebirges sehen, die auf der gegenüberliegenden Seite satte
2200 m aufsteigen.
Der
Anblick des Felsens von Gibraltar ist
imposant. Sieht aus wie die Zeichnung von dem Elefanten in der Schlange
in Saint Exepery’s „Kleinen Prinzen“. Auf der einen Seite ist er stark
bebaut, dafür ist es auf der Windseite (Mittelmeer) umso leerer.
Das Leben auf dem Felsen ist richtig britisch, doch unter erheblich
angenehmeren Klimabedingungen als daheim. Die Engländer
wußten damals schon, wo es am schönsten ist. Nur von der EG
haben sie wohl noch nichts mitbekommen, viel umständlicher war die
Einreise nach Rußland im letzten Jahr auch nicht. Gezeltet haben
wir dann aber doch wieder auf dem Festland an der Costa del Sol, wo wir
einen sehr netten Abend mit einem anderen Pärchen aus München
im Windschutz des Zeltes verbrachten. Die beiden empfahlen uns einen
Abstecher nach Ronda.
Und
Ronda war toll. So richtig spanisch, wie
man es sich vorstellt. Die angeblich einzige zu besichtigende
Stierkampfarena Spaniens haben wir uns inklusive Heldenmuseum (zu
beiden Seiten des Spießes) natürlich auch gegeben. Die Stadt
glänzt mit hübsch bemalten Häusern im teilweise
verspielten arabischen Stil und den typischen, vergitterten Balkonen.
Ein wirklich schöner Ort, doch wir konnten nicht allzu lange
bleiben, weil wir noch am Abend in Granada sein wollten. Also ging es
weiter durch riesige Weizenfelder auf gut ausgebauten Straßen,
vorbei an verstreut liegenden Haziendas. Nur das letzte Stück ist
etwas langweilig dank der vierspurigen Schnellstraße.
Und dann
waren wir
dort, im vielumschwärmten Granada, einer Stadt in Europa, die fast
800 Jahre arabische Herrschaft hinter sich hat. Die Stadt hält,
was sie verspricht, viele kleine Gassen mit basarartigem Treiben.
Hübsche Hausfassaden und ab und zu ein Gebäude im maurisch
angehauchten Baustil. Im Stadtzentrum einige Straßencafés
und viele Plätze. Eine entspannte Atmosphäre liegt über
der Stadt. Anders oberhalb der Stadt in der Alhambra. Selbst zu der
frühen Jahres- und Tageszeit unserer Visite (10. Juni, 11 Uhr
morgens) wimmelte es dort von Reisebussen und Menschenmassen. Die
Alhambra selbst besteht aus einigen Parks, einer ganzen Menge Ruinen,
bzw. baufälligen Gemäuern und dem zentralen Palast, dem
einzig wirklich sehenswerten für uns Durchschnittstouristen, sieht
man von dem schönen Blick über die Stadt einmal ab. Der
Palast ist recht gut restauriert und es gibt viel zu sehen in Richtung
arabischer Steinmetzkunst. Empfehlenswert! Obwohl man im Sommer
bestimmt
vor lauter Menschenmassen nur schwer an alles rankommt. Zum
Abkühlen (es waren immerhin schon 35° C) ging es dann hinauf
zum höchsten anfahrbaren Punkt Europas. 45 Minuten und 35 km
später waren wir auf 3481 m Höhe und sahen zu, daß die
Fotosession nicht allzu lange dauerte. Bei 8° C und starken Wind
froren wir uns den Arsch ab. Sogar noch ein paar Schneefelder gab es.
Auf halber Höhe bereiteten wir uns mit einigen „cafe con leche“
wieder auf den Brutofen am Fuße der Sierra vor. Ein
gemütlicher Abend mit einem anderen frühen Motorradtouristen
beschloß unseren Aufenthalt in Granada.
Von nun
an ging es wieder nach Hause. Der
direkte Weg wäre aber zu langweilig gewesen. Wir entschlossen uns,
westlich an Madrid vorbei durch die Estremadura zu fahren. Über
Cordoba und Zafra fuhren wir einen Tag lang abwechselnd durch
kilometerweite Olivenheine oder Weizenfelder. Mehr gab es nicht. Recht
eintönige Sache, nur die ausgewählte Strecke erwies sich als
fahrtechnisch sehr abwechslungsreich.
Wir
kamen gut voran und konnten abends bei
Merida auf dem Campingplatz unser Lager aufschlagen. Ab hier wurde es
straßenmäßig so, wie man es immer von Spanien
hört. Ewig lange Geraden, eigentlich gut geeignet zum
Kilometerfressen, ja wenn da nicht die allgegenwärtige Guardia
Civil auf K 100 RT wäre. Und die Jungs sind immer zu zweit und
verdammt fix unterwegs. Man munkelt auch, daß sie recht saftige
Preise für Mißverständnisse in Sachen Auslegung der
Verkehrsrichtlinien haben. Also, lieber etwas piano, auch die
nächste lange Gerade geht vorbei.
Die
Estremadura entpuppte sich als recht
grünes Gebiet mit etwas abwechslungsreicherer Vegetation, es gab
hier noch zusätzlich große Weinhänge! Naja, etwas mehr
gab es schon. Auf jeden Fall war es ruhiger und vom Klima her
angenehmer als im Süden. Schöner zu fahren, wenn auch etwas
anstrengender, war nachher die Strecke von Caceres über Plasencia
nach Avila. Auf dem Weg lag unter anderem ein herrliches Tal mit einer
netten kurvigen Straße am Fluß entlang, in dem die
Süßkirschbäume kurz vor der Ernte standen. Was lag
näher, als einen kleinen Imbiß in Form von dicken, fetten
Kirschen zu uns zu nehmen, bevor wir die letzte Etappe bis Segovia
(Segobia sagen die Eingeborenen) fuhren. Eine schöne Stadt, nur 80
km von Madrid entfernt und ein beliebter Ausflugsort der Städter
mit viel anzuschauen. Den alten Stadtkern überspannt ein riesiges
römisches Viadukt und über allem steht auf dem Berg im
Zentrum die Kathedrale. Uns blieb leider nur ein Abend, weil sich unser
Urlaub dem Ende zuneigte und wir noch in Ruhe über die
Pyrenäen wollten.
In El Burgo
endete
die N110, der wir die ganze Zeit gefolgt waren, und wir kamen über
Soira in das Tal des Rio Ebro hinunter. Ein Glutofen, und wir waren
froh, als das Gelände endlich wieder anstieg, und wir
schließlich auf einem total einsamen Campingplatz mit direktem
Blick auf die Los Mallos (eine rote Zwillingsbergformation) unser Zelt
aufstellen konnten. Abends gingen wir in dem einzigen Restaurant des
Ortes essen und konnten es diesmal nicht verhindern, daß wir
für unser Mahl in einen tristen, dunklen und kalten Speiseraum
geführt wurden. Man ließ nicht zu, daß wir unser Essen
vor der Gaststätte an der Durchgangsstraße mit Blick auf die
Berge und die vielen Storchennestern im Ort einnahmen. Aber das ist
üblich, daß man zum Essen in irgendwelche Extraräume
kommt und durchaus als Kompliment zu werten.
Am
nächsten Tag ging es via Jaca
über die Berge. Auch hier tut sich leider viel. Die Pyrenäen
sind dabei, sich von dem kleinen verträumten Gebirgszug zu einer
von Schnellstraßen durchzogenen Alpenkopie zu mausern (EG sei
dank). Es wird kräftig gebaut. Auf der Nordseite steuerten wir
dann nach dem ersten Cafe’au lait Pau an, um für die BMW einen
neuen Hinterreifen zu kaufen, da Sonja keine Polizeikontrolle mit der
alten Schwarte riskieren wollte. Wer allerdings meint, Michelin Reifen
sind in Frankreich billiger, hat sich getäuscht. Der Reifen kam
uns gut 30 % teurer als zu Hause. Um den Reifen noch einmal richtig
einzufahren, ging es auf Nebenstraßen nach St. Girons, wo wir
dann auch nächtigten. Carcassone streiften wir am nächsten
Tag nur kurz, um einen Blick auf La Cite’, die alte Stadt zu werfen,
und
fuhren dann weiter Richtung Gorges du Tarn. Über Le Puy und Bourg
en Bresse ging es zurück nach Hause, wo wir dann nach vier Wochen
und ca. 9000 km die Motorräder in der Garage langsam
ausglühen
lassen konnten.
So im
Nachhinein sind wir uns einig,
daß Portugal ein ganz nettes Land ist, für das man abseits
der großen Nationalstraßen Zeit haben muß. Durch die
geographische Lage ist es auch recht ursprünglich in fast jeder
Beziehung, wenn man die Tourismusgebiete meidet, die sich sowieso
eigentlich nur auf die Algarve beschränken. Nur an den Preisen
kann man schon sehen, daß die EG auch hier wirkt (zum Beispiel
Campingplätze immer um die 20 DM). Spanien ist etwas „weiter“
fortgeschritten (tourismusmäßig), obwohl es auch dort noch
nette, nicht so belebte Flecken gibt. Schöner fanden wir den
Norden, obwohl Granada, Ronda und Gibraltar von uns natürlich nur
wärmstens empfohlen werden können. Die Motorräder
hielten bis auf die erwähnten Kleinigkeiten problemlos durch. Das
Original BMW Austausch-Federbein hielt allerdings nicht einmal bis zum
Ende des Urlaubs, dann fing es schon wieder an zu ölen (von wegen
BMW und Zuverlässigkeit). Die Guzzi brauchte auf die ganze Distanz
0,4 l Öl, und es hatte sich ein Auslaßventil ziemlich
verstellt. Verbrauch 4,2 bis 5,2 l/100 km bei Benzinpreisen (Super) von
ca. 1,70 DM/l in Frankreich, ca. 1,40 DM/l in Spanien und ca. 1,55 DM/l
in Portugal. Schade, daß die Ecke so weit weg ist, so schnell
kommen wir dort wohl nicht noch einmal hin.
Eric Koch
November 1994