Kroatien
2001
(veröffentlicht in
MOTALIA 152/153)
Als ich Anfang der Achtziger
anfing,
Motorrad zu fahren, wollte ich meinen ersten Urlaub mit meiner CX
500E im damaligen Jugoslawien machen. Damals machte mir die
Bundeswehr einen Strich durch die Rechnung. In den Neunzigern machten
dann andere Armeen Reisen dorthin unmöglich, aber jetzt im neuen
Jahrzehnt soll der Plan endgültig verwirklicht werden – es geht
Anfang September an die Adria mit Ziel Dubrovnik. Über das
Internet
konnte ich Martin „Leatherman“ mit seiner BMW R 100GS für meine
Idee begeistern und kurz vor der Abfahrt offenbarte sich auch der
Tigermann Rüdiger, der eine Woche später zu uns stoßen
wollte.
Ich
treffe Martin in München. Wir
lassen uns am ersten Tag richtig Zeit, auch weil das Wetter nicht
unbedingt zum Fahren einlädt. Mit Regensachen fahren wir erst
einmal auf der Autobahn Richtung Österreich durch das kitschige
Reit im Winkel über Landstraße Richtung Felbertauerntunnel.
Es ist bedeckt, und man hat ja immer die vage Hoffnung, daß es
nach einem Tunnel besser wird, ist aber leider auch diesmal nicht so,
uns erwartet leichtes Schneegrieseln. Aber je tiefer wir ins Tal
kommen,
desto schöner wird es und die Regensachen können
endgültig eingepackt werden. So ist es auch eine reine Freude, den
Naßfeld- und Predilpaß zu fahren. In Slowenien angekommen,
suchen wir uns gleich einen Campingplatz, um beim ersten gemeinsamen
Zeltaufbau noch etwas Tageslicht zu haben.
Irgendwie
hat mich am Tag ein recht
lautes Klickern aus dem rechten Zylinder irritiert, und am Morgen
muß ich dann doch mal nachschauen. Leider bewahrheitet sich meine
Vermutung, wieder einmal hatte sich der Pilz oben an der
Auslaßstößelstange gelöst und bearbeitete den
Aluminiumteil, der sich dadurch verkürzte. Kommt bei meiner Guzzi
regelmäßig vor, leider nur diesmal zu einem ungünstigen
Zeitpunkt. Dadurch daß bei dem 95er-Motor die
Stößelstangen gekürzt sind, kann ich leider kein
Standardteil aus dem Laden nehmen, aber ich hatte mir damals noch eine
Ersatzstange kürzen lassen und die im Keller liegen. Zum
Glück
erreiche ich noch Rüdiger, der das Teil mitbringen will.
Nach dem
Ventilnachstellen geht es auf
Tagestour durch Slowenien. Über den phantastischen Vrsic Paß
geht es Richtung Bled. Die Straßen sind trocken und griffig, und
wir können es richtig fliegen lassen. In Bled schauen wir uns die
Burg auf dem Berg über der Stadt an und genießen dort auch
die Aussicht auf den See, in dem auf einer kleinen Insel eine Kapelle
steht. Wir lassen die Insel aber Insel sein und fahren weiter auf
kleinen gelben Straßen Richtung Tolmin. Martin freut sich schon,
als der Schotter anfängt, aber es ist nur ein kurzes
Drei-Kilometer
Stück. Die Wolken werden immer dichter, und ich sehe mich
(natürlich keine Regensachen mitgenommen, heute morgen war es ja
sonnig) schon richtig einweichen. Aber wir haben Glück,
schlüpfen an allen Schauern vorbei und kommen trocken wieder auf
dem Campingplatz an. Am Abend verläßt uns unser Glück.
Auf dem Rückweg vom Essen geraten wir in strömenden Regen.
Leider
ist das Zelt aus irgendeinem Grund
nicht dicht, so daß ich durch kalte Füße aufwache. Der
Boden ist durch, und der Schlafsack hat sich auch vollgesogen. Da der
Himmel nicht unbedingt nach deutlicher Wetterbesserung aussieht,
beschließen wir, uns auf den Weg zur Küste aufzumachen. Das
Wetter bessert sich auch zusehends, wir können auf trockenen
Straßen durch das Idrjcatal fahren - sehr empfehlenswert, eine
Kurve nach der anderen durch ein Tal mit dem schon erwähnten guten
Asphalt. Als wir nach der Querbeetstrecke schließlich bei der
Skocjanska Jama (Höhle von Skocjan) ankommen, scheint die Sonne.
Wir steigen aber trotzdem wieder hinab ins Dunkle und besichtigen die
ausgedehnte Höhlenanlage und wundern uns wie sich Menschen damals
ohne diese ganze Beleuchtung überhaupt ein Bild von der
Größe machen konnten. Nach den 1,5 Stunden Fußmarsch
müssen wir uns erst mal am Eingang stärken, bevor es weiter
Richtung Kroatien geht.
Der
Grenzübertritt nach Kroatien ist
problemlos, und wir steuern einen Zeltplatz in Zelena Laguna bei Porec
an, an den Martin noch schöne Erinnerungen von vor 15 Jahren hegt.
Leider ist auch hier die Zeit nicht stehen geblieben. Ein voll
durchorganisierter Wohnwagenpark erwartet uns. Wir bleiben trotzdem,
weil wir alles trocknen und auch erst mal etwas Sonne tanken wollen.
Abends treiben wir uns auf der touristischen Strandmeile herum, es ist
nicht anders als in allen anderen Feriengebieten.
Den
nächsten
Tag lassen wir ganz ruhig angehen. Nach ausgiebigem Frühstück
gehen wir erst mal ans nahe Meer, aber uns wird es bald zu langweilig,
und wir beschließen, noch was Kulturelles zu tun. Die Küste
hoch nach Norden geht es wieder hinein nach Slowenien, wo wir uns das
kleine Städtchen Piran anschauen, mit einem nach Venedig
aussehenden Glockenturm und insgesamt auch sehr italienisch wirkender
Altstadt, mit vielen kleinen Gassen, wo die Wäsche noch zwischen
den Häusern zum Trocknen hängt und man den Motorrollerfahrern
Platz machen muß. Sehenswert. Der Rückweg geht schnell,
obwohl wir hier schon erheblich vorsichtiger fahren, weil wir gleich zu
Anfang in Kroatien auf einige sehr glatte Straßenstücke
gekommen sind, und seitdem ist das grundsätzliche Vertrauen wie in
Slowenien weg.
Unser
Plan, von Pula aus nach Losinji zu
fahren, müssen wir aufgeben. Die Fähre fährt nur einmal
pro Woche. Also besichtigen wir das Amphitheater in der Stadt und
fahren
weiter nach Bretzowa, von wo regelmäßig eine Fähre nach
Cres verkehrt. Aber wir haben noch einmal Pech, sie legt direkt vor der
Nase ab. Es fängt an zu regnen, und der Asphalt um die
Anlegestelle
wird noch glatter als ohnehin schon. Wir sind froh, wenigstens hier zu
stehen. Die Überfahrt ist sehr stürmisch, und wir schauen
immer mal wieder nach den Maschinen, ob sie nicht umkippen. Auf Cres
haben wir nicht viel Auswahl, wir folgen einfach der einzigen
Straße nach Süden, die sich am Kamm entlang schlängelt.
Ohne Regen und ohne Wohnmobile, die wir nach der Fähre noch
abarbeiten mußten, macht das Fahren Spaß. In Nerezine
schlagen wir unser Lager auf und lassen uns von Nachbarn
überzeugen, daß es klüger ist, das Zelt zwischen den
Bäumen aufzubauen, da ein Sturm angekündigt ist. Nach einem
teuren Fischessen und Wein zum Ablöschen geht es in die
Schlafsäcke.
Die
schweren Gewitter in der Nacht fordern ihren Preis. Wieder mal
gräbt sich der Seitenständer meiner Guzzi ein und ein
Kerzenstecker muß dran glauben. Mein wichtigstes Ersatzteil kommt
zum Einsatz – der Reservestecker. Wir schauen uns die Stadt Mali
Losinji
im Süden an, können noch etwas bummeln, bevor wir uns wieder
mal vor einem Gewitterguß verstecken müssen. Der Wind
trocknet die Straßen schnell, aber selbst Kroaten scheinen die
Beschaffenheit ihrer Straßen nicht zu kennen, für manche
endet auch eine Autofahrt im Graben. Auch in Marag fährt uns die
Fähre vor der Nase weg. Auf der Insel Krk fahren wir geradewegs
nach Baska und suchen uns einen Campingplatz. Die Auswahl ist klein, da
wir keinen FKK-Campingplatz wollen, bleibt nur der große
touristische am Ende der Promenade. Das Abendlicht ist toll, es ist
aber
immer noch windig und frisch, und wir essen windgeschützt drinnen.
Wir
hätten uns lieber mal am Abend
noch ein paar Meter weiter bewegen sollen. Am anderen Ende der
Promenade
ist die Fähranlegestelle nach Senji, dann hätten wir den
Fährplan checken können. Aber als wir um 11:00 Uhr am Anleger
erscheinen, ist die Fähre schon seit zwei Stunden weg und
fährt erst wieder am Nachmittag. Also keine gemütliche
Bootstour, auf dem Landweg geht es über die große
Brücke
bei Rijeka (schrecklicher Anblick übrigens, die Stadtansicht mit
seinen Schloten) wieder auf das Festland, dann die
Küstenstraße hinunter bis hinter Senji.
Die
kleine Straße führt an
zerschossenen Panzern und zerstörten Häusern vorbei hoch in
die Berge. In Otocac machen wir Pause in der Amigo Bar, überall
gibt es noch Einschußlöcher, es sieht alles etwas trostlos
aus, aber die Bar hat immerhin schon eigene Zuckertütchen –
Gegensätze. Klugerweise ziehen wir die Regensachen vor der
Weiterfahrt an. Es fängt an zu nieseln, was auf den 10 km
Schotter/Sand auf dem Weg nach Dabar natürlich noch unangenehmer
ist.
Als wir
an dem Campingplatz Korana bei
den Plitwitzer Seen ankommen, ist von Rüdiger, mit dem wir uns
hier
verabredet hatten, nichts zu sehen. Es fängt auch noch richtig an
zu regnen, und wir entschließen uns zum Anmieten einer
Hütte. Rüdiger geben wir noch eine Frist bis 20:00 Uhr, wobei
der aufkommende Hunger mit einem Liter Wein vor der Hütte mit
Blick
in die Tristesse bekämpft wird. Aber auch diese Frist verstreicht,
und wir gönnen unseren Mägen mal etwas Festnahrung im
Campingplatz Restaurant. Spät in der Dunkelheit kommt Rüdiger
auf seiner Tiger schließlich an. Den ganzen Tag im Regen
unterwegs gewesen, hat er sich natürlich auch gleich eine
Hütte gemietet.
Da
sich der Regen auch am Morgen nicht verzogen hat, wollen wir auf dem
schnellsten Weg an das Meer fahren. Der Regen ist teilweise so stark,
daß wir nicht mal die umliegenden Berge sehen können und
froh
sind, als es nur noch windig ist und wir hinter der letzten Bergkette
das Meer sehen können. Eine Lammbraterei, wie sie hier oft an der
Straße zu finden sind, nehmen wir zum Anlaß, uns erst der
Regensachen zu entledigen und uns dann dem Lamm anzunehmen. Lecker! Der
Kellner läßt es sich wiederum nicht nehmen, uns seine extra
verchromte Yamaha Wild Star vorzuführen. Hat zwar einen satten
Klang so ohne alles, wir können aber nicht so ganz nachvollziehen
wie man mit so etwas auf diesen Straßen hier viel Spaß
haben kann. In Trogir finden wir den nächsten Campingplatz zur
Stadt und gehen dann noch mal zu Fuß in die Stadt. Die Stadt ist
wie eine kleine Festung, total verwinkelt mit vielen Läden und
Leben. Dieses läßt allerdings nach, als es wieder mal
anfängt zu schütten. Wir sitzen das mit Bier und dem besten
Eis der ganzen Reise auf dem zentralen Platz unter Schirmen aus.
Regen
weckt uns morgens, das
Frühstück ist aber schon wieder im Trockenen, und wir nehmen
uns heute das 20 km entfernte Split als Ziel vor. Aus irgendeinem Grund
sind unsere Erwartungen nicht besonders hoch, aber sie werden weit
übertroffen. Split ist ähnlich wie Trogir, mit einer
befestigten Altstadt, in deren engen Gassen wir uns verlaufen. Und um
es
vollkommen zu machen, klart es sogar noch auf und die Sonne bricht
durch. Auf dem Weg zurück checken wir in einem Internetcafe noch
die Großwetterlage und stellen fest, daß es eigentlich
nirgendwo deutlich besser ist. Heute bleibt der Martins Leatherman
eingeklappt, das Abendessen bildet eine große Portion Calamaris
im
nahegelegenen Restaurant, was aber nicht viel mit den Calamaris zu
Hause
zu tun hat. Nicht voll panierte Gummiringe, sondern ganze Stücke
oder Minitintenfische, die nur gegrillt superlecker schmecken. Den
Abschluß des Abends bildet die rituelle Flasche Rotwein am Meer.
Angesichts
des
strahlend blauen Himmels entschließen wir uns zu einer Tagestour
ins Hinterland. Bei Kastel Stari geht es hoch in die Berge, und wenige
Kilometer von der Küste entfernt ist von der Hektik des
Touristenrummels nichts mehr zu merken. Hinter der Kuppe treffen wir
nur
selten ein Auto. Es geht in leichten Schwüngen über Berg und
Tal. Bei Gornje Vinovo verpassen wir offensichtlich eine Abzweigung und
geraten in eine 20 km Schotterpassage. Martin bewegt gerade meine Guzzi
und ist froh, nach einigen Kilometern wieder auf seine GS steigen zu
können. Die Federung wäre doch besser, meint er...
Schließlich kommen wir wieder auf die Hauptstraße und
machen
in Drnis Pause.
Wir
kommen mit
einem
kroatischen Motorradfahrer ins Gespräch, der gerade viel Zeit hat,
weil er seine Kawasaki GPZ 900R (wieder so ein optimal geeignetes
Motorrad für diese Straßen) zerlegt hat und sich eine
medizinische Auszeit gegeben hat. Er erzählt von früher und
daß sich durch den Krieg alles nur verschlimmert hat. Wir fragen
uns nur, wer den Krieg eigentlich gewollt hat.
Auf
schönen Straßen geht es um
und in den Krka Nationalpark. Auf einer Sandpiste geht es nach Roski
Slap, das wegen seiner Wasserfälle bekannt ist. Wir sind aber
nicht
zum Wandern angezogen, so bewundern wir nur die Natur und fahren dann
über Nebenstraßen nach Skradin, über schöne,
kurvige Strecken nach Sibenik, um schließlich Primosten noch
einen
Besuch abzustatten. Die Beschreibung übertrifft aber für
unseren Geschmack die Realität. Es wirkt alles etwas
künstlich, wie ein Museum. Alles ist gut restauriert, es kommt
aber
nichts rüber. Im Sonnenuntergang geht es zurück auf der
Küstenstraße zum Campingplatz.
Die Karawane
zieht weiter, wir packen und fahren
auf einer kleinen Straße abseits der Hauptstraße Richtung
bosnische Grenze. Der Grenzübertritt ist problemlos, in die
Schweiz
hinein braucht man meist länger. Leider sind auf dieser Seite der
Grenze die Straßen noch dünner gesät, so daß wir
auf relativ großen Straße mit allen anderen zusammen
unterwegs sind. Öfters steht Polizei am Straßenrand und
winkt Leute raus, wir cruisen aber so dahin und haben keine Probleme.
Vor Mostar geht es über einen gut ausgebauten Paß. Von oben
sieht man schon Mostar in einem Talkessel liegend. Wir schwimmen im
Verkehr mit in die Stadt hinein, am Wege Hochhäuser mit
großen Löchern. Auf der Suche nach den Resten der alten
Brücke kommen wir anscheinend in die Altstadt, parken unsere
Motorräder und gehen einmal die Fußgängerzone rauf und
runter. Überall Zerstörung, aber auch wenn die Häuser
oben noch kaputt sind, unten hat schon wieder ein Café
geöffnet. Teilweise sehen wir Ansätze von
Restaurationsarbeiten. Wir brechen das ganze aber angesichts einer
Zigeunergruppe, die sich in Richtung unserer Motorräder bewegt, ab
und fahren auf der großen Ausfallstraße – vorbei an der
Kfor-Kaserne, die gesichert ist wie eine Festung – Richtung Kroatien.
Einmal
tanken wir noch auf dieser Seite
der Grenze, wo das Benzin in D-Mark ausgezeichnet und mit 1,65DM/Liter
recht billig ist, dann geht es ohne Probleme wieder rüber nach
Kroatien. Es ist schon dunkel, als wir wieder ans Meer kommen und es
kommt einfach kein Campingplatz. Ein auf Temposünder wartender
Polizist kann uns dann doch schließlich den Weg zu einem
erklären. Der Aufbau der Zelte geschieht im Schein der
Scheinwerfer
und das Abendessen im unfreundlichsten Restaurant unserer gesamten
Reise - eine Ausnahme.
Am
Morgen ist immer noch keiner auf dem Platz zu sehen außer den
Schulklassen in den Hütten, und wir fahren schließlich ohne
zu bezahlen, um weiter zu kommen. In Drvenik sind wir für die
Fähre auf die Insel Hvar viel zu früh, aber wir
genießen
die Sonne. Es kommen immer mehr Motorräder an den Anleger. Sie
wollen alle zu einer Bikerfete und so sehen sie auch aus. Einer
härter als der andere, viele auch aus Bosnien. Ein besonders
krasser Fall ist einer mit dem Bekenntnis „Mostar Fanatic“ auf dem
Helm.
Burn-outs deuten an, was auf der Party zu erwarten ist. Eine Aussicht,
die uns trotz der angekündigten Live-Musik, nicht animiert,
dorthin zu fahren. Wir hatten eigentlich vor, die Jungs vor uns
herfahren zu lassen, aber auf ihren Choppern sind sie einfach zu
langsam, und wir müssen sie schließlich doch überholen.
Irgendwann
geben wir ihnen aber doch eine
Chance, wir kehren in ein Restaurant ein, das eigentlich geschlossen
aussieht, in Anbetracht von uns Dreien aber doch ruckzuck öffnet.
Es gibt gegrillten Fisch mit Tomatensalat, das ganze auf einer kleinen
Terrasse mit Blick über die Hügel bis hinunter zum Meer unter
einem Dach von Weinblättern – so stellt man sich die Idylle vor.
Zu
uns gesellt sich noch einer der “Biker“ von der Fähre, er ist aber
nur auf einem klapprigen Mofa von Sarajewo in Tagen hierher gefahren,
weil seine alte BMW über den Haufen gefahren wurde. Er zeigt uns
alle seine Fotos von den letzten Bikerparties. Dann trennen sich unsere
Wege wieder, wir sind doch ein wenig schneller als er. In Jelsa finden
wir einen kleinen terrassenförmigen Campingplatz, wo wir uns
niederlassen können. Der Besitzer sagt nur kurz, daß wir zum
Anmelden doch morgen noch mal vorbei kommen sollen, es würde auch
eine Nacht umsonst geben, wenn wir länger bleiben – die Saison ist
vorbei, er muß wieder in seine Weinberge.
Den
nächsten Tag
hängen wir einfach mal ab, baden und schauen uns auf dem Platz im
Ort das Treiben der ganzen harten Jungs an, die vom nahegelegenen Fest
mal kurz rüber gefahren sind. Es gibt viel zu sehen. Abends essen
wir nur noch mal und kaufen dann auf dem Weg zurück noch eine
Flasche Grappa mit eingelegtem Gewürzzweig.
Der
Entscheidungsfindungsprozess endet am
Morgen schließlich damit, daß wir doch alles abbauen und
packen, bevor wir uns auf den Weg nach Hvar machen. Ein kluge
Entscheidung, in Hvar nieselt es schon ein wenig, als wir uns die Stadt
anschauen. Erstaunlicherweise ist hier viel los, obwohl die Hauptstadt
der Insel am weitesten weg vom Festland ist. Am großen Platz gibt
es einige Bürgerhäuser und Paläste, spanischer Stil,
alles schön renoviert, aber uns ist es ein wenig zu voll. Von der
Burg oberhalb der Stadt genießen wir die Aussicht und machen uns
dann auf den Weg zurück zur Fähre. Auf dem Weg fängt es
an zu regnen, und an der Fährstation werden wir wegen unserer
Ganzkörperkondome von ein paar verspäteten Festivalbesuchern
mit Hohn empfangen. Harte Jungs tragen keine Regensachen, decken nur
ihre Harleys mit Planen und Mülltüten (...) ab. Auf dem
Festland suchen wir uns dann nur noch den nächsten Campingplatz in
Podgora. Beim Essen können wir einen Umzug verfolgen, der
anscheinend so etwas wie internationale Verbundenheit ausdrücken
soll. Durch den bedeckten Himmel ist es so warm, daß wir am Platz
noch in T-Shirts bis Mitternacht am Meer sitzen können.
Die
Hälfte der Zeit ist vorbei und allmählich müssen wir
wirklich mal sehen, daß wir Dubrovnik zu sehen bekommen. Wir
statten Makarska 20 km weiter nördlich einen Besuch ab, auch ein
Ort, der in den Reisebeschreibungen gelobt wird, aber können beim
Durchrollen erst mal nichts sehen, was uns reizt und entschließen
uns gleich weiter zu fahren. Der Weg hoch in die Berge nach Vrsoc ist
der Wahnsinn, immer am Hang entlang den Berg hinauf mit einem tollen
Blick ins Tal und Kurven ohne Ende. Hinter den ersten Bergketten wird
es
wieder unspektakulärer, wir fahren auf kleinen Straßen durch
ein paar verstreute Dörfer, bis wir auf die Hauptstraße
treffen, die uns wieder an die Grenze nach Bosnien bei Metkovic bringt.
Im Ort können wir auch noch richtige Stahlnägel als
Zelthäringe besorgen, damit wir nicht weiterhin Probleme mit dem
harten Boden haben.
Trotz
eines kurzen Schauers
entschließen wir uns für die kleinen Nebenstraßen –
ein
Glück, es wird die „schönste” Tagestour des Urlaubs.
Über kleine weiße Straßen geht durch das Hinterland.
Es
ist nichts los. Plötzlich hält Martin an, ein Mann mit
Uniformjacke und Kelle hält uns an. Beim genauerer Betrachtung
fällt sein abgerissenes übriges Äußeres auf,
offensichtlich hat er die Jacke gefunden, und die Kelle ist ein
abgesägtes Stoppschild. Wir machen den Spaß mit, zahlen
unseren Obolus von 50 Pfennig pro Maschine und fahren weiter. Den
bosnischen Golffahrer, der uns entgegen kommt, hält er auch gleich
an..............
Bei
Ravno gibt es kurz 5 km Schotter, aber
dann geht es immer an einem Kanal entlang, meist am Hang mit Blick von
oben über ein weites Tal. Rüdiger findet eine Gedenktafel,
die
uns die eigenartige Streckenführung erklärt. Wir fahren auf
einer ehemaligen Bahnlinie entlang. Ab und zu kommen wir an verlassenen
Orten vorbei, und bei einer Orientierungspause kommt ein alter Mann auf
uns zu und versucht ein Gespräch mit uns. Schade, wir verstehen
ihn
nicht, wir hätten da einige Fragen gehabt.
Bei
Ljubovo kommen wir wieder auf die
Hauptroute, die uns zur Grenze führt. An diesem Grenzpunkt sind
die
Kontrollen etwas genauer aber korrekt. Unten am Meer fahren wir nach
Caftat, wo es einen Campingplatz geben soll. Dem ist aber nicht so, die
einzigen beiden sind weiter nördlich in Srebeno. Wir nehmen den
kleineren, eine gute Wahl. Es steht sogar eine Waschmaschine zur
Verfügung, und wir nutzen die Gelegenheit zur großen
Wäsche. Auf der Terrasse des Restaurants um die Ecke lassen wir
den
Abend ausklingen, ein gelungener Tag.
Heute
soll ein Kulturtag werden, wir nehmen den Bus nach Dubrovnik und machen
uns bei der dortigen Touristen-Information erst mal schlau, was man an
einem Tag so alles von Dubrovnik schafft. So gerüstet fangen wir
mit dem Franziskaner-Kloster an, wandeln durch die Kreuzgänge und
besichtigen seine Museumsapotheke, eine der ältesten der Welt.
Gleich nebenan geht es hoch auf die Festungsmauer, welche die die Stadt
komplett umgibt. Ein absolutes Muß, man hat einen herrlichen
Blick
von oben über und in die Stadt. Wir machen das natürlich, wie
sich das gehört, in der Mittagshitze. Unterbrechen tun wir das
ganze unten in den Straßen mit einem kleinen Imbiß und der
Besichtigung der Ausstellung im Herrscherpalast. Nachmittags streifen
wir noch ein wenig durch die kleinen Gassen und über die
blankgetretenen Marmorstraßen. Den Rückweg zum Bus
müssen wir uns hart über ewige Treppen erkämpfen. Auf
dem Platz muß Martin entdecken, daß er sich eine Schraube
im Hinterreifen eingefangen hat. Reparaturversuche mit den schon
früher bewährten Gummistopfen scheitern. Wir können nur
vermuten warum, vielleicht reißen die Stopfen immer durch den
Stahlmantel im Radialreifen ab. Nichtsdestotrotz genießen wir den
Abend und plaudern bis spät in die Nacht bei der Flasche Grappa
mit ein paar kiffenden jungen Tschechen, die noch Richtung Albanien
weiter wollen – na dann viel Spaß.

Der
Besitzer des
Campingplatzes fährt mit Martin und Hinterrad auf der Tiger nach
Dubrovnik, wo der Reifen sehr fachmännisch geflickt wird. So
können wir doch noch eine kleine Runde drehen. Wir nehmen wieder
den nahegelegenen Grenzübergang und fahren immer Richtung
Sarajewo,
aber schon bald erkennen wir, daß es doch cleverer ist
umzudrehen,
weil sich vor uns nur noch schwarze Wolken auftürmen. Wir wollen
auf einer kleinen Straße dicht vor Montenegro über die
Grenze
nach Kroatien, aber stehen plötzlich vor der Grenze nach
Montenegro. Der Grenzer meint, es sei kein Problem dorthin einzureisen
und nimmt es Martin auch nicht krumm, daß der sich direkt vor dem
Grenzerhäuschen seine warmen Untersachen anzieht. Wir müssen
noch 20 DM Straßen-Nutzungsgebühr bezahlen, dann kann es
losgehen. Aber es ist wohl nicht unser Tag, es fängt an zu regnen
–
nein, das ist untertrieben, Wolkenbrüche treiben uns von der
Grenze auf winzigen Straßen runter zur Küste. Eine
Tankstelle
nutzen wir als Schutzdach, um uns zu einigen, daß es wohl keinen
Sinn macht, unter diesen Bedingungen noch mehr von Montenegro zu sehen.
Der Grenzübertritt zurück nach Kroatien dauert ewig, zum
Glück hat es wenigstens aufgehört zu regnen.
Zurück
bei den Zelten gibt es dann
die nächste schlechte Überraschung. Der ganze Campingplatz
hat
sich in eine Schlammwüste verwandelt, und wir hatten dummerweise
angesichts des guten Wetters das Zelt in einer kleinen Senke
aufgestellt. Alles raus zum Trocknen, es ist ja wieder warm und trocken
geworden. Abends beim Wein relativiert sich das “Durchlittene” wieder.
Wir
wollen noch mal nach Montenegro,
immerhin hatten wir ja die Straßennutzungsgebühr für
drei Monate bezahlt. Also morgens gepackt, tja und dann will der Tiger
von Rüdiger nicht zum Sprung ansetzen. Wir müssen
Schiebehilfe
geben. Das Problem habe ich auch manchmal, aber bei mir ist die Ursache
klar. Die 24 Ah Yuasa Batterie ist nicht so standfest wie die alte
Varta und mag es gerne warm und trocken. An der Grenze dauert es wieder
ewig, und dann müssen wir auch noch erfahren, daß es
nötig ist, eine Zusatzversicherung für 30 DM
abzuschließen, weil die grüne Versicherungskarte das Land
nicht abdeckt. Das ist es uns doch nicht wert, und wir fahren wieder
zurück zu unserem Grenzübergang, den wir jetzt das dritte Mal
nach Bosnien nehmen.
Wir
folgen wieder dem gleichen Plan wie
am Tag vorher. Diesmal kommen wir auch ohne Wettereskapaden weiter nach
Bosnien. In Bileca tanken wir und folgen dann der Straße Richtung
Mostar. Es geht von Tal zu Tal, immer mit riesigen Ebenen. Die
Straßen sind gut und es ist wenig Verkehr. In Stolac biegen wir
ab
Richtung Neum. Stolac sieht ziemlich schlimm aus. Die Innenstadt ist
total zerschossen, dafür sind draußen vor der Stadt
große Neubaugebiete entstanden, die so richtig auf die grüne
Wiese gesetzt worden sind.
Die
Straße nach Neum ist der
einzige Zugang Bosniens ans Meer, eine einspurige, geteerte Piste, die
sich durch flach bewachsenes Gelände schlängelt. Aber auch
hier ist nichts los, wahrscheinlich nehmen selbst die Bosnier lieber
die
großen Routen über Kroatien. Neum stellt sich als
schrecklich touristische Tax-free-Zone heraus, die aber nicht einmal
billig ist. Auf der Küstenstraße geht es nach Süden.
Der
bosnische Grenzübergang ist im Prinzip nicht besetzt, dafür
sind die Kroaten gerade dabei eine riesige Abfertigungsanlage
aufzubauen – die lernen auch nichts.
Schnell
fahren wir
auf die Halbinsel Peljesac, wo wir einfach dem ersten
Campingplatz-Schild folgen und einen kleinen Platz finden, wo wir zwar
die einzigen Gäste sind, aber total herzlich aufgenommen werden.
Wir plazieren uns direkt an die Klippe, der Besitzer spendiert zur
Ankunft erst einmal eine große Pepsiflasche roten Hauswein.
Urlaub
pur, wir genießen den dicken, roten Wein mit Blick in den
Sonnenuntergang. Auch Tisch und Stühle bekommen wir noch gestellt.
Klasse! Nach der Flasche Wein gehen wir ins einzige Restaurant des
Ortes. Die Saison ist wirklich vorbei, wir sind fast die einzigen
Gäste und kämpfen uns durch die großen Fischplatten.
Martin
hilft dem Besitzer am Morgen noch ein
wenig mit seinem schrottigen Mercedes /8, aber schließlich
starten
wir doch noch zu unserer Inseltour. Die Straße nach Orebic ist
gut ausgebaut und kurvig, und wir lassen es laufen. Auch die Fähre
nach Korcula verpassen wir wieder mal knapp (scheint unser Schicksal zu
sein), vertreiben uns aber die Pause bei herrlichstem Sonnenschein in
einem Café.
Die
Fähre braucht nicht lange bis
Korcula auf der Insel Korcula. Wir besichtigen erst einmal die alte
Stadt, aber die wirkt irgendwie tot. Nichts los, auch keine
Geschäfte oder irgend etwas, was die Leute anzieht. So ist die
Altstadt wie ein Museum. Zwei Kilogramm Weintrauben finden den Weg in
unsere Mägen, bevor wir noch bis an die Nordspitze von Korcula
nach
Vela Luka fahren. Nichts besonderes, gerade gut genug, um noch ein Eis
zu essen. Dann geht es wieder zurück zur Fähre. Das Licht der
langsam untergehenden Sonne taucht die ewigen Weinfelder in sanftes
Licht, das die Farben alle intensiviert. Apropos Wein – die Weinquelle
am Platz sprudelt unermüdlich, so daß wir auch heute wieder
diesen herrlich likörartigen, roten Wein genießen
können. Alle später getrunkenen schmecken dagegen wie mit
Wasser verdünnt.
Wir
entschließen uns, noch einen
Tag zu bleiben und hängen am nächsten Tag einfach mal nur ab.
Von unserem leicht erhöht liegenden Platz können wir das
wenige Treiben im Ort beobachten, die Fischer, die ein- und auslaufen
(mit unserem Abendessen), die Autos, die anscheinend ohne
Nummernschilder nur für den Innerortsverkehr verwendet werden.
Aber
das beste ist der Bärtige, der in einem Winzschlauchboot quer
liegend mit seinem Hund immer wieder die Küste rauf und runter
tuckert. Nachmittags packt Rüdiger und mich dann doch noch Unruhe
und wir schauen uns das nahegelegene Ston an. Eine Festungsanlage,
welche die Türken im 14. Jahrhundert gebaut haben und die mit
ihrem
6 km langen Mauerring den Zugang von Peljesac beherrscht. Bis hierher
sollen die Serben vorgedrungen sein, es wird immer noch renoviert.
Für
Martins Trangria Kocher haben wir
immer noch keinen Spiritus bekommen, aber Martin schafft es im
angrenzenden Haus Kaffeewasser zu bekommen. Nach dem Zahlen (selbst mit
Wein immer noch der billigste Campingplatz unserer Reise) geht es
wieder
zurück aufs Festland. Wir wollen oberhalb von Neum den gleichen
Grenzübergang nach Bosnien wie auf dem Hinweg benutzen, aber der
ist aus dieser Richtung nur für Einheimische erfahren wir –
für uns nicht ganz nachvollziehbar.
Aber
egal, so
nehmen wir wieder die Strecke an der
Küste entlang und reisen wieder bei Metkovic ein. Mostar gibt auch
beim zweiten Mal kein besseres Gefühl, und wir fahren einfach nur
durch.
Durch
ein breites zugiges Flußtal
geht es Richtung Norden, bis wir bei Prozor von der Hauptroute
abbiegen.
Es geht durch ein kleineres Flußtal, fahrerisch wertvoller und
erheblich leerer. Oberhalb des Sees bei Jaklici machen wir Pause und
vergleichen wieder mal die Karten. Meine RV-Karte zeigt unbefestigte
Wegstrecke, bei Martin ist es ausgebaut. Wenige Kilometer weiter
müssen wir wieder mal feststellen, daß Martins Karte von
2001 ungenauer ist als die alte von 1990 – es folgen 25 km Schotter,
der allerdings keine große Herausforderung darstellt. Zwischen
kürzeren, ausgewaschenen Pisten führt die Straße oft
über weite Ebenen auf breiter, festgefahrener Sandpiste. So
stellen wir uns die Hochebenen in den Anden vor.
Irgendwann
kommen wir wieder auf eine
befestigte Straße und entschließen uns noch zu einer
kleinen
Extraschleife. Die Strecke nach Livno ist klasse, aber eine
Abkürzung über die Berge ist uns nicht vergönnt, auch
hier warten wieder mal 30 km Schotter auf uns, die wir uns aber um
diese
Tageszeit nicht mehr antun wollen. So nehmen wir die schnelle Variante
über Raseljke und Trilj, wo eigenartigerweise im Ort der Bär
tobt. Alles voll, unheimlich viele Cafés und ein Treiben wie auf
dem Jahrmarkt, und das in einem kleinen Ort im Nirgendwo. Der
Grenzübertritt ist wieder kein Problem und die letzten Kilometer
zum Meer sind schnell hinter uns gebracht. Wir nehmen voll
spießig wieder den gleichen Campingplatz in Trogir wie beim
letzten Mal, schlagen auch die Zelte an der gleichen Stelle auf, aber
es
gibt noch schlimmere als uns. Die Wohnmobilbesitzer neben uns haben wir
schon vor zwei Wochen dort gesehen, seitdem haben sie ihre Kiste nicht
einen Meter bewegt.
Das
fette Mixed Grill am Abend zehrt auch am
Morgen noch an der Gesundheit, ich nehme mir vor, nur noch Fisch zu
essen, soll ja etwas leichter sein. Bei strahlendem Sonnenschein
passieren wir Split auf dem Weg über Sinji nach Knin. Hier in den
Bergen wird es wieder deutlich kühler und es tröpfelt
tatsächlich ein paar Mal. Hinter Knin fahren wir an vielen
verlassenen und zerstörten Dörfern vorbei. Wir sind nahe der
bosnischen Grenze. Die Straßen sind sehr gut, aber es ist schon
ein eigenartiges Gefühl. Aber der absolute Hammer ist die
Ortschaft
Srb, hier ist gar nichts mehr heile, kein Haus ohne Schaden. Und ein
Großteil der Leute, die wir überhaupt auf der Straße
sehen, sind Polizisten. Trotzdem gibt es hier ein Café, wie es
auch in Rimini oder Frankfurt sein könnte. Modernste Einrichtung,
richtiger Cappucino, adretter Kellner, alles gepflegt. Wir fragen uns,
wer hier wohl einkehrt. Nach ein paar Kilometer über kleine
Straßen und Orte nehmen wir eine Schotterstrecke zur Hauptstrecke
zu den Plitwitzer Seen. Hier quartieren wir uns wieder auf dem
Campingplatz Korana ein, wo wir die ersten reisenden Motorradfahrer der
ganzen Reise treffen.

Das
Wetter ist mit
uns, am Morgen strahlt die Sonne. Leider verkehrt der Pendelbus zu den
nur 5 km entfernten Seen nicht mehr, wir müssen leider in
Light-Ausstattung mit Motorrädern fahren. Die Sachen können
wir aber an der Rezeption abgeben und lassen uns dann mit einem Bus auf
die oberste Seenebene dieses Nationalparks fahren. Der Nationalpark
umfaßt die
terrassenförmigen Seen, die durch Wasserfälle miteinander
verbunden, ihr Wasser schließlich in den Fluß Korana
leiten.
Der Rundweg führt uns an den türkisgrünen, mit Forellen
gefüllten Seen vorbei, mit Blick auf diverse Wasserfälle und
–fällchen. In dem warmen Licht der Herbstsonne jage ich fast einen
kompletten Film durch, um die ganzen Farben irgendwie auf Papier zu
bannen. Nach guten vier Stunden sind wir wieder am Eingang, fahren
zurück und genießen am Platz noch die Sonne bei einem
Kaffee. Abends treffen wir dann alte Bekannte wieder, es gibt Forelle
Korana – lecker.

Am
Morgen geht es noch einmal Richtung Meer,
wir hoffen auf noch einen Beachtag. Aber erst einmal ist die Fahrt grau
und trübe, und wir erwarten immer den Regen. Ich erinnere mich,
daß Martin am Morgen noch von „Trocken nach Hause kommen“
gesprochen hat, das war wohl etwas voreilig. Aber es bleibt nur neblig,
und als wir gegen Mittag unten am Meer sind, hat sich alles verzogen.
An
der Küstenstraße nach Norden werden wir erst nach dem
dritten Versuch auf der Suche nach einem Campingplatz fündig. Es
ist ein Platz, der auf Massentourismus ausgelegt ist, aber es ist leer.
Vieles ist schon stillgelegt. Es ist aber immerhin auch schon Anfang
Oktober. Auch hier treffen wir wieder Motorradfahrer, und verbringen
mit
einem BMW-Fahrer, der nur für ein langes Wochenende an die
Plitwitzer Seen fährt, den Abend. Es ist trotz der Jahreszeit noch
schön warm, und wir können die letzte Flasche Wein noch
locker
auf der Mole trinken.
Nach dem
Nebel am Morgen kommt wieder der
Sonnenschein. Nach dem Abbauen verabschieden wir uns von Rüdiger,
der noch zwei Tage auf Istrien in der Sonne verbringen will. Martin und
ich fahren um Rijeka herum ins Hinterland, aber viel Fahrspaß
haben wir nicht. Hier oben ist es noch dick neblig und das Fahren auf
den kleinen schmierigen Straßen ist anstrengend. Erst an der
Grenze zu Slowenien wird es schließlich besser, und wir trinken
in
der Sonne einen Kaffee. Der Grenzübertritt ist problemlos, und wir
kommen wieder auf die schöne Strecke durch das Idriatal.
Eigentlich hatten wir vor, hier in Slowenien noch einmal zu campen,
aber
es ist so früh am Tag, daß wir nach einer Stärkung in
einem Restaurant weiter Richtung Österreich fahren.
Das war
nicht so besonders klug. Hinter
dem Predil Paß fängt es an zu regnen, es wird schlimmer und
schlimmer und als wir unten im Tal sind, steht das Wasser auf den
Straßen. Wir versuchen an den Tankstellen noch ein Pickerl zu
bekommen, aber zu dieser Jahreszeit gibt es schon keine mehr für
2001. So gehen wir auf die Autobahn ohne dieses Kleberchen und hoffen
mal, daß bei dem dichten Regen sowieso keiner kontrolliert.
Unsere
Hoffnung wird belohnt, unbehelligt kommen wir bis nach Rennweg, wo wir
dann erst mal innehalten. Es ist kalt, wir sind naß und recht
fertig. So nehmen wir uns im Ort ein Zimmer, um erst mal wieder
aufzutauen.
Es ist
in den Alpen schon ganz schön
frisch um diese Jahreszeit. Die Fahrt über die Landstraßen
bis nach Salzburg zieht sich, und um Salzburg herum lassen wir uns
einen
Schleichweg nach Deutschland erklären, um nicht entweder durch die
Stadt fahren zu müssen oder noch mal den Mautjägern auf der
Autobahn eine Chance zu geben. Kurz vor München trennen sich meine
Wege von Martin. Ich habe noch einen Termin bei Zupin, der die bei mir
montierten Öhlins Dämpfer vertreibt. Der Technikleiter
lauscht meinen Klagen über die Härte meiner Dämpfer und
läßt sie dann in der Werkstatt auf Kulanz weicher abstimmen.
Über die letzten Kilometer bis nach Hause läßt sich
nicht viel berichten. Als ich endlich kurz vor Ingolstadt auf die BAB
gehe, währt die Freude nur einen Kilometer, dann hat mich der
deutsche Stau wieder – 20 km wegen Vollsperrung. Dahin ist die
Erholung..........
Urlaub
in Kroatien hat nichts
abenteuerliches. Sofern man sich an der Küste aufhält, wird
man von den Zeichen des Krieges nicht viel mitbekommen, außer
vielleicht im Süden bei Dubrovnik, der schmalsten Stelle
Kroatiens.
Wer sich durch Kriegsspuren nicht stören läßt, kann
auch das Hinterland genießen, das durch Ursprünglichkeit und
landschaftliche Schönheit mehr bietet als der durchorganisierte
Küstenstreifen. Nur Übernachtungsmöglichkeiten sind dort
rar. Die Inseln haben jede ihren eigenen Charakter, und wir konnten uns
nicht so ganz einigen, welches jetzt der absolute Favorit war. Die
Inseln im Norden sind karger als die südlichen. Als Highlights
dieser Reise sehe ich Dubrovnik, Split, Trogir und die Plitwitzer Seen
an. Nach Bosnien sind wir immer wieder rüber gefahren, weil man
dort noch ungestörter Motorrad fahren konnte als in Kroatien. Die
Landschaft ist dafür geschaffen mit ihren Hügel- und
Bergketten. Natürlich spielte auch immer etwas Neugier und
Abenteuerlust mit hinein. Aber wir hatten außer in Mostar nie das
Gefühl der Unsicherheit. Und auch die Beamten waren alle korrekt.
Slowenien haben wir ja nur kurz besucht. Man merkt, daß Slowenien
schon immer ein „reiches“ Land war. Hier waren die Preise am
höchsten. Dafür waren die Straßen auch am griffigsten
und der Westen, in dem wir uns herum getrieben haben, bot super
Motorrad-Strecken, was auch viele Italiener und Österreicher
dorthin zieht.
Die
Guzzi lief die 6.000km bis auf die
Sache mit der Stößelstange einwandfrei, brauchte weiter
mindestens ihre 0,3 Liter Öl/1000km. Dafür staunte Martin mit
seiner BMW immer an der Tankstelle, seine Kuh brauchte immer um die 1,5
Liter mehr als meine S. Die Tiger allerdings brauchte - ebenfalls im
Landstraßenbetrieb - um die 4,5 l/100km, das ging nur bei
zügigerer Fahrt deutlich hoch. Dort unten wäre ich auf den
meisten Strecken mit meiner Enduro rein federungstechnisch besser
bedient gewesen, aber dafür hätte es weniger Spaß bei
der Anfahrt gegeben.
Eric Koch
Dezember
2001