ACHTUNG –
MINEN !
K A M B O D S C H
A
2 0 0 3
Das, oder der Name Pol Pot
sind wohl das, an was die meisten denken, wenn der Name Kambodscha
fällt. Aber die Jahre der Herrschaft der Roten Khmer sind schon
seit 1979 vorbei und das Land ist seit 1998 auf dem Weg in eine
Demokratie. Reisen in dieses von Kolonialmächten und Despoten
gegängelte, dann dem Terror der Roten Khmer ausgesetzten und
schließlich in einer lang andauernden Übergangszeit
verunsicherten Land sind zwar schon länger, aber erst seit Ende
der 90er Jahre ohne Einschränkungen möglich. 2003
entschloss ich mich, den Rucksack zu packen und in dieses Land im
Aufbruch zu fahren.
Alle Wege nach Kambodscha
führen über die internationalen Flughäfen anderer
Staaten, ich habe keine direkte Verbindung nach Phnom Penh gefunden.
So flog ich kurz vor Weihnachten nach Bangkok, verbrachte Weihnachten
mit Bekannten auf einer südthailändischen Insel und machte
mich dann auf den Weg nach
Norden.
Der
Reiseführer von
Kambodscha beschreibt eine alte Tempelanlage an der Grenze zu
Thailand, die durch die schlechten „Straßen“ auf
kambodschanischer Seite nur in einer dreitägigen Reise zu
erreichen ist – Preah Vihar. Man kann allerdings auch von Thailand
dieses auf einer Klippe liegende Bauwerk besichtigen. So führte
die erste Fahrt in einer 12-stündigen Fahrt in einem dieser
fahrenden thailändischen Kühlschränke nach Ubon. Von
dort aus ging es mit einem Taxi am Nachmittag zur kambodschanischen
Grenze. Am thailändischen Kontrollposten muß man eine
Fotokopie des Passes machen, dann kann man ohne Visum nach Kambodscha
hinein. Gleich nach dem Grenzposten geht es an den Souvenierbuden
vorbei an die endlose Treppe, die stetig zum zentralen Heiligtum
hinauf führt. Die Anlage ist leider nur noch eine Ruine, aber
man kann sich leicht die riesigen Ausmaße vorstellen. Die
Treppen sind steil und anstrengend, aber die Rundumsicht von der
Klippe ins kambodschanische Hinterland, belohnt dafür. Die
Erbauer der 1000 Jahre alten Tempelanlage haben schon eine
ausgesprochen schöne Stelle gewählt.

Am nächsten Tag geht
es mit lokalen Bussen an den Grenzübergang Chong Chom südlich
von Surin, der selten erwähnt wird, aber erheblich ruhiger ist
als der hauptsächlich genutzte bei Poipet. Der Grenzübertritt
(kambodschanische Seite O'smach) ist problemlos, Visaerteilung für
die üblichen $20 ist schnell erledigt. Ein kurzes Verhandeln
drückt den Preis für das einzig verbliebene Taxi von 3000
auf 1800 Baht. Länger Zeit will ich mir nicht lassen, es ist
immerhin schon 14:00. Der ersten 70km bis Anlong Veng sind eine sehr
gut ausgebaute Sandstrecke, die der Taxifahrer in einer guten Stunde
schafft. Für die restlichen 100km benötigen wir aber etwas
über drei Stunden. Es ist schon dunkel, als Siem Reap erreicht
ist.

In Siem Reap wird
das
Family Guest House meine Herberge, wo es ein luftiges Zimmer unter
dem Dach des gemütlichen Holzhauses für $7 gibt. Am
nächsten Tag nehme ich einen Motofahrer für die kleine
Runde durch die, der Stadt vorgelagerte, Tempelanlagen um Angkor Wat
herum. Aber zuerst geht es zum Haupteingang des Tempelbezirks, wo es
gegen $40 und ein Passfoto einen Dreitagesausweis gibt. Durch das
bekannte Südtor geht es zum Bayon, einem Tempel, wo man die
unzähligen, sanft lächelnder Gesichter auf den vielen
Türme
erst auf den zweiten Blick entdeckt. Auch wenn es relativ voll ist,
kann es die entspannte Stimmung nicht stören. Von hier aus gehe
ich zur Elefantenterasse hinüber, auf deren Länge von 300
Metern ein lebensgroßer Elefant nach dem anderen dargestellt
ist. Beeindruckend, genauso wie die Terrasse des Leprakönigs,
die von einem Hohlgang umgeben ist, der vor Götterdarstellungen
nur so strotzt. Der Buddha in dem dahinter liegenden Tep Pranam wirkt
dagegen wie aus der Betonfachschule.

< style="font-family: comic sans ms;">Am Thomannon halten wir,
aber gegen das Bayon kommt der nicht an. Ein kleiner netter Tempel
etwas abseits gelegen. Der Ta Keo danach ist ein unvollendeter, und
damit recht schmuckloser Tempel, der aber trotzdem wegen der Aussicht
eine Besteigung lohnt. Das ist aber hart, die Stufen sind ziemlich
hoch und steil. Vor dem Eingang des Ta Prohm gibt es erst einmal eine
frische Kokosnuss, ein Energiespender für 1000Riel. Hinter dem
für alle Tempel typischen Tor mit den nach vier Seiten
schauenden Gesichtern und der Promenade kommt man in ein Märchen.
Ta Prohm ist eine Ruine, eine bewusst unrestaurierte, die der
Dschungel langsam überwuchert, und die daraus den Charme des
Geheimnisvollen, Verborgenen erhält. Überall wuchern
Pflanzen, Bäume wachsen über Mauern und scheinen die Steine
fest im Griff zu haben. Man kann garnicht anders, als immer neue
Perspektiven zum Fotografieren dieser natürlichen Filmkulisse zu
suchen. Dies ist der letzte Tempel des Tages, es kann für heute
keine Steigerung mehr geben. Zum Sonnenuntergang geht es zum Phnom
Bakheng, auf dessen Gipfel ich mit einem Bier und den anderen 1000
Touristen den Sonnenuntergang erwarte.

Am nächsten Morgen
geht es zur zweiten, großen Runde los, nachdem ich mit dem
Fahrer einen Komplettpreis von $23 für drei Tage ausmache. Erste
Station ist Banteay Kdei mit dem gegenüber liegenden riesigen
Basin, das wohl als königliches Schwimmbad diente. Netter Luxus,
so etwas in den Dimensionen von mehren 100 Quadratmetern zu haben.
Wir halten noch am Pre Rup, der aber leider nur eine durch den
Dschungel begrenzte Aussicht bietet. An diesen Tempeln ist garnichts
mehr los, die Touristenmassen, speziell die Japaner, die anscheinend
gerade Weihnachtsurlaub haben, sammeln sich um Angkor Wat und den
Bayon. Zum Banteay Srei sind es 10km, und ich bin froh, als ich vom
Moto absteige. Der Tempel, anders als die anderen, beeindruckt nicht
durch Größe, sondern durch feine Steinmetzarbeiten. Man
weiß garnicht, wohin man zuerst schauen soll. Leider ist der
innerste Bereich gerade zur Restauration abgesperrt.
Der östliche Mebon,
gleiche Strecke wieder zurück (Aua), ist nur beeindruckend, wenn
man sich vorstellt, das er einst eine Insel im östlichen Baray
war, ein riesiges Becken mit den gigantischen Ausmassen von 7x1,8km.
Ta Som, die nächste Station, gewinnt durch die Touristenleere
und erinnert ein wenig an Ta Prohm. Neak Prean sieht für einen
Mitteleuropäer auf Anhieb wie einer der riesigen Springbrunnen
von einem europäischen Schloß aus, wird aber als
Nachbildung des mythischen Sees Anavatapa gedeutet und ist einfach
ein Ort der Ruhe. Die letzte Station des Tages ist Preah Khan, was
zum Abschluss des Tages noch ein richtiges Highlight setzt. Ebenfalls
Ta Prohm sehr ähnlich, aber sehr viel ruhiger. Heute sind wir
früher am Hotel, damit ich mich etwas für den Abend
ausruhen kann, es ist nämlich Sylvester.
Mit Mitbewohnern aus dem
Guest Houes gehe ich erst mal was essen, und dann greifen wir die
Idee eines Franzosen, den ich am Nachmittag traf, auf, den Martini
Club zu besuchen. Es ist ein typischer kambodschanischen Technoclub,
wo wir erst einmal von Beergirls abgefangen werden und beackert
werden, ihre Biermarke zu nehmen. Sobald eine gewählt ist, ist
Ruhe und die „Erwählte“ kümmert sich stetig darum, daß
der Flüssigkeitsnachschub gewährleistet ist. Dazu gibt es
kambodschanischen Techno, und wir schwingen das Tanzbein. Eine mit
uns am Tisch sitzende Kambodschanerin kommt mit uns ins Gespräch,
und wir gehen zusammen in die Travellerstrasse, die für diesen
Abend als Partymeile umgebaut wurde. Dort gibt es noch ein paar
Drinks, dann reicht es aber auch. Wir verabreden uns noch mit Anie,
unserer einheimischen Begleiterin, die wir für eines der
leichten Mädels hier halten, die aber sehr nett ist, für
den nächsten Abend.
Der
nächste Morgen
beginnt langsam, die letzte Nacht ging immerhin bis 4:00 früh.
Das Programm wird radikal gekürzt. Die ganze Roluos Gruppe wird
gestrichen und nur noch Angkor Wat itself wird für den
Nachmittag als Ziel genommen. Um 12:00 komme ich am Graben an,
durchschreite die vierte Einfassung und bin erstaunt. Der Dammweg ist
fast leer, ich kann Fotos von Angkor Wat ohne Touristen machen.
Wahrscheinlich sind die alle beim Essen, denn als ich nach den
beeindruckenden Steinmetzarbeiten an der dritten Einfassungsmauer zum
Haupteingang zurück gehe, um etwas zu essen, strömen
mir die Massen entgegen. Nach dem Essen stromer ich noch etwas
ziellos durch die weitläufigen Anlagen dieses Tempels,
unterhalte mich noch etwas mit Mönchen, die anscheinend immer
froh sind mit jemandem ihr Englisch ausprobieren zu können und
steige schließlich die extrem steile Treppe zu den zentralen
Türmen hinauf. Der Sonnenuntergang von hier aus ist etwas
schöner als der vorgestrige. Der Weg die steilen Treppen
hinunter bedarf aber der ganzen Konzentration und des Mutes. Am Abend
treffen wir uns alle wieder mit Anie in der Temple Bar. Sie
überrascht uns mit einer Einladung nach Hause, wo sie ein Essen
für uns vorbereitet hat. Und es stellt sich heraus, daß
sie eine international geschätzte Köchin ist, die zwei Tage
später in dem neuen Spitzenhaus in Seam Reap ihre neue
Arbeitsstelle antreten soll. So kann man sich täuschen. Wir
genießen das herrliche Essen in ihrem traditionellen Khmer
Holzhaus, das sehr stilvoll eingerichtet ist. Ein unerwarteter,
netter Abend.

Am
nächsten Morgen
geht es mit einem Tuktuk zum Tonle Sap, wo es eine Tour durch die
schwimmenden Dörfer geben soll. Die letzten drei Kilometer bis
zum Bootsanleger sind schlecht und staubig. Die Bootstour geht auf
dem kleinen Zulauf mit seinen Hausbooten zum See, aber richtig
große
schwimmende Dörfer sehe ich nicht. Später höre ich,
daß das wohl auch nicht die richtige Stelle war. Man sollte
also sehr genau nachfragen, was man zu sehen bekommt. Und gleich noch
ein Tip. Um der Mafia der Motofahrer zu entkommen würde ich aus
heutiger Sicht zumindest die kleine Runde in Angkor Wat auf dem
Fahrrad machen. Das 3-Tagesticket kann ich für einen
Kulturinteressierten schon empfehlen, das gibt einem etwas Zeit und
man muß nicht durch die Anlagen stressen. Die Apsara Tanzshow
am Abend für $12 im Chayo Praha inklusive Diner ist auch
empfehlenswert.
Durch einen Tip am Abend
bin ich auf die Idee gekommen, doch noch den Nordosten zu besuchen
und fahre so direkt wie möglich mit dem Bus nach Phnom Penh. Die
Fahrt dauert 8,5 Stunden. Die Strecke ist nicht besonders. Am Busstop
in PP lasse ich mich von dem Fahrer des Royal GH (Guest Hose)
abschleppen und werde vom gebotenen Zimmer nicht enttäuscht.
Miete mir gleich ein Fahrrad und fahre zu der Empfehlung vom Abend,
dem Local Adventures (www.cambodia.nl),
wo mich Andre, ein Holländer,
freizügigst mit allen Informationen über den Nordosten
versorgt und mir auch noch kurzfristig ein Flugticket für den
nächsten Morgen besorgt und das GH reserviert.
So ist es
nur ein kurzer
Aufenthalt in PP. Am Morgen geht es per Moto für $3 zum
Flughafen. Dort sind überraschenderweise noch einmal $6 für
die Airport Tax fällig. Heftiger trifft es manchen
Rückreisenden
nach Bangkok, die die $20 nicht mehr zusammen bekommen. Der Flug in
der zweimotorigen Turboprop Maschine ist einstündig und die
Landung auf der roten Sandpiste von Banlung nicht schlechter als
manche Jumbolandung, die ich erlebt habe. Die Wagen von der Yaklom
Lodge warten schon, und wir müssen nur noch warten, bis sich
jeder sein Gepäckstück aus dem großen Stapel im
Gepäckraum heraus gesucht hat. Die Fahrt zur Lodge gibt schon
einen ersten Vorgeschmack von der Gegend, Staub über alles. Wie
ein Paradies dagegen die Yaklom Lodge (www.yaklom.com),
deren Hütten ($8
inklusive Frühstück) im Wald fernab der staubigen
Straße
verstreut sind. Beim ersten Lemon Juice lerne ich Sophie, ein
Französin, kennen, die ebenfalls im Flugzeug saß, alleine
ist und auch Interesse an Treks hat. Wir gehen erst einmal zusammen
zum Kratersee Yaklom Lake und nehmen ein Bad in dem herrlich klaren
und angenehm warmen Wasser. Ein Gespräch mit Sompong, dem
freundlichen und sehr gut englisch sprechenden Lodgebesitzer, zeigt
uns die Möglichkeiten von Ausflügen auf, und wir buchen
für
den nächsten Tag einen Geländewagen und ihn als Führer
für $50. Wir haben Glück, daß drei Dänen, die
wir beim Abendessen treffen, auch interessiert sind, so daß
sich die Kosten noch weiter reduzieren.
Am nächsten Morgen
geht es zu siebt in einem Geländewagen los. Der Zustand der
Nationalstraße 78 Richtung Osten, die zur vietnamesischen
Grenze führt, ist unbeschreiblich. Staubig wie alles, aber auch
noch in einem so schlechten Zustand – zerstört von LKWs und
Regen – daß wir für die ersten 40km gute anderthalb
Stunden brauchen. Dann biegen wir nach Norden ab und die Straße
wird besser. An einer zerstörten Brücke muß unser
Fahrer durch eine Fuhrt fahren, eine Übung, die dem Offroader
nicht behagt. Der Motor stirbt mitten in der Furt. Nach einigem Hin
und Her geht es schließlich weiter. In Malik steigen wir aus
und Sompong sucht seinen Führer.

Mit zwei jungen Burschen geht
es dann auf kleinen Wegen durch das Hinterland, immer wieder
unterbrochen mit Abstechern zu kleinen Farmen, anhand deren uns
Sompong alles über das Leben der zurück gezogen lebenden
Tampoun erzählt. Er macht das sehr gut, und auch bei Besuchen
bei diversen Familien haben wir nie das Gefühl, wir würden
eine Führung durch den Zoo bekommen. Die Leute begegnen uns
genauso neugierig und aufgeschlossen wie wir ihnen. Nach drei Stunden
Fußmarsch mit Picknick an einem kleinen Wasserlauf kommen wir
wieder an die Straße und folgen ihr ins nächste Dorf. Hier
können wir tatsächlich mal sehen, daß bei der UNO
nicht alles nur versickert. Ein ganzes Team macht Schulungen für
die Dorfbewohner über Malaria und Aids. Im Offroader geht es
wieder zurück zur Nationalstraße, der Fahrer bleibt gleich
nochmal in der gleichen Furt stecken. Und als wir endlich in der
Lodge zurück sind, müssen wir erst mal den roten Staub
abduschen. Aber es war es wert.

Am nächsten Tag
starten wir zu einer kleineren Tour. Sophie und ich nehmen zwei
Motofahrern nach Norden. In Voen Sal steigen wir in eines der
Flußboote mit Außenborder um, daß den Preis gerade
auf $12 erhöht hat, weil es das letzte ist. Eine Stunde geht es
flussaufwärts, bis wir an einem kleinen Dorf anlegen. Es hat
sich gegen eine kleine Spende für ihre Totenfeier bereit
erklärt, uns ihren Friedhof zu zeigen. Die Tampoun bestatten
ihre Toten immer paarweise. Für uns Europäer ganz
ungewöhnlich, aber es gibt hier niemanden, der unverheiratet
stirbt. Nur Unfalltote werden separat bestattet. Die Gräber sind
aufwendig gestaltete kleine Stätten, über deren Eigenarten
unser Führer durch uns gelöchert wird. Die Rückfahrt
mit dem Boot geht schneller, es geht ja auch mit dem Strom. In Voen
Sal essen wir noch eine Kleinigkeit und fahren zurück Richtung
Banlung. Eine Reifenpanne unterwegs wird dank des mitgeführten
Flickzeugs innerhalb einer halben Stunde erledigt. In Banlung biegen
wir nach Westen ab und fahren zum Chaa Ong Wasserfall. Das besondere
an diesem Wasserfall ist, daß man hinter das Wasser gehen kann.
Das hatte ich noch nie. Zum Reinigen nehmen wir noch ein Bad im
traumhaften Yaklom Lake und es ist wirklich schwer, danach wieder in
die staubigen Klamotten hinein zu steigen.
Die Dänen wollen auch
am nächsten Tag abreisen, so nehmen wir zu viert ein Taxi.
Normalerweise werden sechs Leute in einen handelsüblichen Toyota
Camry hinein gepresst, aber wir mieten einfach zu viert das ganze
Taxi bis nach Stung Treng. Der National Highway 78 ist in diese
Richtung nicht ganz so schlimm und die 150km haben wir in vier
Stunden hinter uns gebracht. In Stung Treng nehme ich ein Zimmer im
billigen, aber nicht unbedingt empfehlenswerten Riverside Guest House
($2). Oben von dem Dachrestaurant habe ich beim Abendessen den Blick
auf den über dem Mekong aufgehenden Vollmond – klasse.
Ich hatte mich
entschlossen, das Speedboat bis nach Kratie zu nehmen, wo ich noch
die bekannten Irawaddy Delphine sehen will. Morgens um 7:30 geht es
los, die Sitzkabine sieht aus wie aus einem Flugzeug und ist fast
ebenso kalt, so daß sich fast alle oben auf dem gewölbten
Dach treffen. Unter wildem Gebrüll des großen Diesels aus
einem beindicken Ofenrohr geht es in wildem Zickzack mit ziemlicher
Geschwindigkeit durch die Untiefen den Mekong hinunter, und man
greift öfters panisch zur 10 Zentimeter hohen Reling, weil man
das Gefühl hat, in der Kurve vom Dach zu rutschen. Ab und zu
wird der wilde Ritt gestoppt, um von heranschießenden Kanus
noch zusätzliche Passagiere aufzunehmen. Aber kurz vor Kratie
hat die wilde Fahrt ein Ende, das Boot zerschlägt sich seine
Schraube an einem Stein. Wie wir dort so rumdümpeln, sehe ich
die Delphine in der Nähe. Glück im Unglück (für
mich), wir sind gerade an der Beobachtungsstelle bei Sambor
havariert. Ein paar Longtails drücken uns zum Ufer, und der
Kapitän schafft es in erstaunlich kurzer Zeit zwei Busse zu
organisieren, die alle Leute aufnehmen. Nur mit der
Gepäckunterbringung klappt es nicht ganz so. Da drinnen alles
voll ist, werden alle Rucksäcke mit Seilen von den
Fensterpfosten auf das glatte Dach geschnallt. Auf der sandigen
Polterstrecke rutschen die Gepäckstücke immer weiter am
Fenster runter, aber der Fahrer meint „no problem“. Und er hat
recht, als wir nach dreieinhalb Stunden in Kompong Cham ankommen,
können wir alles wieder in Empfang nehmen. Hier mieten wir noch
zu neunt einen Minibus, der uns für $2 nach Phnom Penh fährt.
Leider setzt er uns alle an der Lakeside ab, eine der schlimmsten
Travellergegenden, die ich gesehen habe, eng, schmutzig und laut.
Mich zieht es wieder in die Stadtmitte, und ich kann einen Motofahrer
nach anfänglichen $2 dazu bringen, mich für $0,75 wieder
dorthin zu bringen. Mein altes Guest House hat leider nur innen
liegende Zimmer, aber das ist mir jetzt egal. Es ist 21:00, ich bin
schmutzig und kaputt, aber auch glücklich, daß alles noch
so gut geklappt hat.

Am nächsten Tag
ziehe
ich um, da das Guest House leider immer noch keine anderen Zimmer
frei hat. Ich finde aber eines für $6 im 5. Stock in einem nahe
gelegenen Hotel ohne Klimaanlage mit einem schönen Blick auf die
quirligen Straßen. Mit dem Mietfahrrad erkunde ich die Stadt.
Nach der Mittagspause besichtige ich für $3 den Königspalast
mit der Silberpagode. Sieht teilweise etwas thailändisch aus,
alles sehr gepflegt und speziell die Silberpagode mit den ganzen
Exponaten sehenswert. Den Abend verbringe ich dann doch wieder im
Royal Guest House, weil dort der Film Killing Fields gezeigt wird,
eine Geschichte aus der Pol Pot Ära.
Nachts hat
es tatsächlich
mal geregnet, was die Luftfeuchtigkeit gleich noch mal steigert. Den
Vormittag streune ich ziellos durch die Straßen, entdecke immer
wieder neue Märkte und Straßen. Mittags nehme ich ein
Moto, das mich für einen Komplettpreis von $3 zu den Killing
Fields vor der Stadt, dem Tuol Sleng Museum und dem Russenmarkt
fährt. Auf der Fahrt zu den Killing Fields schlucke ich mal
wieder Staub, die Hälfte der Strecke ist nur Sandpiste. Die
geöffneten Gräber geben an sich nicht viel her, aber mit
der Pagode mit den ganzen Knochen und den Schautafeln genügt
auch geringe Vorstellungskraft, um das leere Gelände mit
Gestalt zu erfüllen. Der Russenmarkt ist eigentlich nur ein
anderer Markt. Speziell interessant ist er vielleicht für
Hobbyschrauber, da er Unmengen von Mopedteilen bietet. Es sind
erstaunlich viele Touristen hier, obwohl ich den zentralen Psar Thmei
eigentlich für interessanter halte. Dort gibt es viel mehr zu
sehen. Die letzte Station ist das Tuol Sleng Museum. Die ehemalige
Schule hatten die Roten Khmer als Verhör- und Folterzentrum
genutzt, bevor sie ihre Opfer zu den Killing Fields schafften und
dort töteten. Die Atmosphäre mit den fotografierten
Gefangenen erinnert mich stark an Auschwitz.
Der
Bus nach
Sihanoukville
braucht auf der am besten ausgebauten Straße des Landes nur
knappe vier Stunden, so daß ich schon am nächsten Mittag
am Strand bin. Ich hatte von Shacks gehört, Unterkünfte an
der Orchheuteal Beach, die unter dem Dach über der Bar direkt am
Strand gelegen sind, und hatte das Chamoj Shack genommen, das zudem
auch noch umsonst war. Mein Leben spielte sich die nächsten zwei
Tage auf den zehn Meter zwischen Hängematte, Billardtisch, Meer
und Bar ab (zu essen gab es aber auch was).
So war ich
gut erholt, als
ich in den Minibus zur Grenze stieg. Voll besetzt ging es wieder den
Superhighway zurück, bis wir Richtung Sre Ambrel abbogen. Ab
dort ging es über einigermaßen gut erhaltene Sandpisten
bis zur Grenze nach Koh Kong, nur unterbrochen durch die vier
Fähren.
Das ganze dauert sechs Stunden und der Bus hält direkt vor der
Grenze. Der Übertritt ist problemlos, und ich habe Glück,
ein Minibus nach Trat fährt direkt ab. Anderthalb Stunden
später
kann ich in Trat in einen der großen Thai Expressbusse steigen.
Angebliche Fahrzeit vier Stunden, aber es werden fünf Stunden,
bevor ich gegen 21:00 aus diesem Eisschrank am großen
Busbahnhof in Bangkok heraus komme. Mich durch die Taxifahrer mit den
Sonderangeboten zum Ausgang gekämpft und dann vor dem Bahnhof
auf der Straße ein Taxi mit Taxameter zum Wild Orchid nahe der
Khao San Road genommen, wo ich schon vor zwei Wochen ein Zimmer
reserviert hatte. Die letzten Tage in Bangkok sind nur noch Shoppen
und Organisieren.
Kambodscha bietet zwar
nur
wenige Highlight aus Sightseeing Sicht, aber die Menschen sind extrem
freundlich und aufgeschlossen. Selten ufern Verkaufsabsichten oder
-gespräche in agressives Bedrängen aus, man ist immer noch
zu einem Spaß aufgelegt. Ich hoffe, das ändert sich nicht
durch die Zunahme des Tourismus, der bestimmt kommen wird, wenn die
extrem schlechten „Straßen“verbindungen ausgebaut werden.
Investoren stehen angeblich in den Startlöchern und warten nur
auf die Bildung einer Regierung. Der Zustand der Straßen lassen
Reisen auch in der Trockenzeit zu zeitraubenden Unternehmungen
werden, was zwar prinzipiell nicht schlimm wäre (man kann ja aus
dem Fenster schauen), aber die ausgewaschenen Sandwege gehen auch an
die persönliche Konstitution. Ich bedauere, nicht mehr Zeit
für
das Land gehabt zu haben.
Ich hatte
nur Bargeld
dabei, wobei der $ die überall akzeptierte Währung ist. Der
einheimische Riel (Kurs ca. $1=4000Riel) wird für alle
Zwischenwerte genommen. Geldtausch ist nicht nötig, jeder kann
auf $ heraus geben. Auch € werden inzwischen an den Wechselstuben
genommen, ich habe sie aber nur an den touristisch frequentierten
Orten gesehen. Travellerchecks werden nur bei großen Banken
getauscht. Für meinen zweieinhalbwöchigen Aufenthalt direkt
im Land brauchte $500 (durch den günstigen Kurs ca. 400€).
Hotelzimmer lagen im Normalfall zwischen fünf und zehn Dollar.
Für ein Gericht auf der Straße sollte man mit einem Dollar
rechnen, im Restaurant mindestens das Doppelte (auf der nach oben
offenen Neppskala). Das öffentliche Verkehrssystem ist nicht
besonders gut ausgebaut. Die Hauptrouten befahren Busse, die
Nebenstrecken Taxis oder Pickups, wobei ich auch schon eine Fahrt im
Taxi hart genug fand. Ich habe keinen getroffen, der zweimal einen
Pickup genommen hat. Für Kurzstrecken werden Motofahrer
genommen. Sich Fortbewegen im Land dauert, aber es ist es wert.
Eric Koch
Februar 2004
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