Von 2en die
auszogen Barcelona zu sehen
April 2010
Roger
äußerte schon länger den Wunsch auch mal weiter als bis
an die Ardeche zu kommen. Und irgendwann stimmte ich zu, wir wollten
die DS vor einen Hänger spannen und so bis zur Basisstation nach
St. Martin d'Ardeche fahren. Dann sollte es weiter Richtung Süden
gehen, um wieder mal etwas französischen Frühling zu
genießen. Als Ziel hatten wir mal Barcelona angepeilt. Wie immer
sollte es mit den Guzzis los gehen, aber es kam anders...
Vor dem Winter hatte ich noch mein
Getriebe ausgebaut und einem Bekannten zum Nachschauen gegeben, weil
ich statt einem vier Leerläufe hatte. Leider ließ er es
über Winter liegen und als er endlich reinschaute, kamen die
Ersatzteile nicht so schnell ran. Echt ärgerlich, aber warum lange
lamentieren, zum Glück hat man ja zwei Motorräder. Also
bekommt das Arbeitsmotorrad XL600LM einen neuen Vorderreifen spendiert
und am Karfreitag geht es mit dem Autogespann los. Nicht zu glauben,
was man so an Gepäck auf zwei Motorädern mithat, die DS ist
voll. Die Fahrt verläuft bis auf einen Spannriemenriß meiner
XL und einem Superstau in Lyon ereignislos. Roger schimpft mit mir,
daß ich immer noch mit den alten Dingern aus Amerika rumfahre,
aber ich habe zum Glück schon neueren original verpackten Ersatz
mit.
Um 20:00 kommen wir nach 10
Stunden strammer Fahrt in St. Martin d'Ardeche an und müssen zu
unserem Erstaunen feststellen, daß unser Stamm-Campingplatz
geschlossen ist. Es ist überhaupt nur ein Campingplatz auf
(Camping Castelas, nichts für Leute mit Hundeallergie. Das office
stinkt nach den drei Doggen und Zigarettenrauch). Abends stellen wir
auch fest, daß eigentlich der halbe Ort noch zu hat. Zu Essen
bekommen wir aber trotzdem etwas.
Den ersten "Urlaubstag"
wollen wir uns mal ausruhen und nur mal eine kleine Tour zum
Reifeneinfahren machen. Nach 30km Ardeche ist der neue Anakee
Vorderreifen bereit für größeres. In Pont St. Esprit
machen wir Pause und haben Glück, daß wir den Markt besuchen
können. Herrlich dieser ganze Käse, die Wurst. Wir kaufen ein
und machen im Kaffee einen kleinen Imbiss. Gerade als wir zurück
fahren zum Campingplatz, fängt es an zu regnen. Und das bleibt
leider auch so den Rest des Tages.
Es regnet die ganze Nacht, die
Zelt halten dicht. Die halbe Miete für einen guten Start in den
Tag. Mit den üblichen Backwaren aus der Boulangerie und einem
Café au lait stärken wir uns und fahren dann los Richtung
Meer. Viele Felder stehen unter Wasser, sie konnten anscheinend nicht
noch mehr Regen aufnehmen. Angesicht des bedeckten Himmels wollen wir
am Mittelmeer entlang in der Hoffnung, daß es dort besser ist.
Die Hoffnung trügt nicht, wir machen den ersten Stop in
Montpellier und schauen uns bei Sonne die Stadt an. Viele schöne
alte klassizistische Bauten, nette Stadt. Gefällt mir im
Nachhinein am besten. Nichtsdestotrotz würde der Wetterbericht
sagen: für die Jahreszeit zu kühl.
Nach Narbonne nehmen wir den
schnellen Weg über die Nationalstraße. Von Rogers Garmin
lassen wir uns zu dort zu dem Camping Mimosas leiten. Alles recht neu,
aber auch nicht ganz billig (19€). Auch hier merkt man im Restaurant
den verzögerten Saisonstart, die Hälfte der Gerichte ist
nicht verfügbar. Zum Draußensitzen ist es zu windig, und so
verziehen wir uns früh nach 250km in unsere Zelte.
Am Morgen scheint mal die Sonne.
Wir wollen in Narbonne frühstücken und nutzen wieder mal
Rogers Garmin. Aber diesmal versagt es, wir fahren fast halb um
Narbonne herum, bevor ich die "Routenführung" abbreche und einfach
mal den Hinweisschildern folge. Frühstück, etwas Sightseeing,
aber es reißt mich nicht vom Hocker. Etwas problematisch ist die
Suche nach einer offenen Tankstellen mit Barzahlung an diesem
Sonntag+Feiertag. Das office de tourisme hilft weiter. Über
Durban, Tuchan und Estagel federn wir uns nach Süden, froh mal auf
etwas sanft gefedertem unterwegs zu sein. Bis Amelie-les-bains sind wir
auf dieser Straßenkategorie unterwegs. Dort beschließen wir
angesichts der fortgeschrittenen Stunde und unseres Planes heute noch
Barcelona zu erreichen, in Spanien nur noch Nationalstraße zu
fahren.
Es geht die Costa Brava
entlang - grauenvoll. Ich kann nicht verstehen, wie man dort Urlaub
machen kann. Auch fällt auf, daß seit der Grenze
ständig Prostituierte am Straßenrand auf Kundschaft warten.
Das habe ich das letzte Mal in Ungarn auf dem Weg zur rumänischen
Grenze gesehen. Um 18:00 sind wir in Barcelona an der Touri-Info, die
uns aber mitteilt, daß es mit günstigen Zimmern wegen der
Ferien sehr schlecht aussieht. So entschließen wir uns den
außerhalb gelegenen Campingplatz zu nehmen. Als wir davor stehen,
hinter uns die Schnellstraße, am Himmel die abfliegenden
Flugzeuge aus Barcelona, streike ich und plädiere für ein
Hotel. Wir finden das Hotel Flora Park in Castelldelferne für
58€/Zimmer die Nacht mit Frühstück. Nicht schlecht, wir
bekommen auch noch was zu essen. Es ist 20:30 und wir sind von 400km
etwas geschafft.
Am nächsten Morgen nehmen wir
den Bus, der uns für sagenhafte 1,40€ eine Stunde bis in die
Stadtmitte fährt. Nach anfänglichem Überlegen eine der
Tourbusse zu nehmen, wollen wir doch alles ablaufen, um nicht so viel
Zeit im Bus zu verbringen für Sachen, die wir nicht sehen wollen.
Wir schauen uns die beiden Gaudi Häuser an, und laufen dann
querbeet zur Sagrada Familia, einem wirklich imposanten Bau, wenn auch
immer noch die Baukräne höher als die Türme sind. Am
Nachmittag schlendern wir mit Pausen durch die Altstadt und bestaunen
das Treiben auf der Rambla. Auch hier sind nicht erwarteten
frühsommerlichen Temperaturen, es ist kühl windig bei max.
18°C. Um 17:00 sind wir wieder am Hotel und essen in der
nahegelegenen Tapasbar gut, aber auch nicht billig jede Menge fischige
Tapas mit Hintergrundbeschallung eines FC Barcia Spieles. Abends
schieben wir noch Frust angesichts der Wettervorhersage, die für
den folgenden Tag bis nach Frankreich rein Regen ansagt.
Aber wie das so ist mit
Wettervorhersagen, sie sind nur eine "Vorhersage". Wir fahren bei
bedecktem Himmel los, wagen uns schließlich nach der Route del
Dalt, die uns um Barcelona herum führt und einem Stück
Küstenstraße Arenys hoch in die Berge bis Tona und fahren
über Vic (netter Kaffeestoß mit Cappucino mit Vanillecreme)
nach Olot bis nach Figueres ohne eine Pfütze auf der
Straße. Es ist schön, sich mal keine Gedanken über den
Straßenzustand machen zu müssen in dem Wissen, daß die
Federung schon alles schlucken wird.
In Figueres schauen wir uns das skuril wirkende Dali Museum in einer
unspektakulären Nachbarschaft von außen an, bevor es hoch
geht nach La Jonquera zur Grenze. Bei dem letzten Tankstop in Spanien
müssen wir dann doch Regensachen anziehen, da es doch langsam mehr
tröpfelt. Wir nutzen die Autobahn über die Grenze, um schnell
aus dem Regen heraus zu kommen, bis Perpignan. Dort suchen wir uns das
Formule 1 (das inzwischen anscheinend F1 heißt). Es schauert
immer mal wieder und etwas aufwärmen kommt auch gut (320km).
Perpignan hört sich im
Führer richtig schön an, aber es kommt nicht besonders
interessant rüber. Ich suche hier auch einen Arzt auf, weil ich
Schluckbeschwerden habe. Er diagnostiziert Lymphknotenentzündung
und Angina (kein Wunder bei dem Wetter) und verschreibt Antibiotika. Er
erzählt mir nebenbei, daß sie hier seit 1909 das erste Mal
wieder Schnee hatten, und das gleich mit 40cm im März.
Roger möchte gerne das neue französischen Weltwunder
bewundern, die Autobahnbrücke von Millau. Ich hatte sie mit Antje
auf dem Weg in die Pyrenäen
schon kurz nach der Fertigstellung 2004 gesehen. Wir fahren auf kleinen
Straßen über St. Pons und Lacaune durch die Region des Haut
Languedoc dorthin. Haut meint hoch, und das ist es auch. Auf 1000m ist
von den paar Grad im Tal noch weniger übrig, aber Fahren macht bei
den Straßen und ohne Regen trotzdem Spaß. Das
Besucherzentrum der Brücke ist seit damals dazu gekommen mit mehr
Infomaterial und Hintergrund und man hat einen beeindruckenden Blick
von unten. Nachdem wir ihn genug genossen haben, nehmen wir einen der
vielen Campinplätze in Millau am Ufer der Tarne. Zum Essen gehen
wir abends zu Fuß in die Stadt, wo wir sehr nett im Le Jardin
Bleu essen (300km heute).
Der letzte Fahrtag summiert sich
auch noch einmal auf 300km. Es wird richtig warm für die
bisherigen Verhältnisse. Über Nant geht es entlang und
oberhalb der Dourbies auf total einsamen Strecken nach Osten.
Wunderschön, wir federn uns auf den 1,5 spurigen Straßen
durch die Wälder. Bei l'Esperou fahren wir auf den Mont Aigoual,
wo wir mal wieder Schnee sehen.
In Florac trinken wir das einzige Mal
auf der Tour Café auf der Terrasse in der Sonne, bevor wir dem
Oberlauf der Tarne weiter folgen. Über Genoulhac fahren wir auf
schönen Strecken bis St. Ambroix, über Barjac nach Pont St.
Esprit, wo wir noch einmal tanken und dann zum Campingplatz. Alles
steht noch.
Morgens gehe ich noch einmal auf den wöchentlichen
Markt in Pont St. Esprit und kaufe Käse, Oliven und ein paar
Mitbringsel ein (unter anderen eine französischen Rotweinrebe, mal
sehen, wie die sich im deutschen Winter macht.
Am Campingplatz schnallen wir nur noch an und begeben uns auf die
Autobahn. Drei Staus weiter sind wir in Metz, wo Roger seine XT
entlädt, weil er nicht den Umweg über Harxheim nehmen will.
Ich bin dann schließlich auch mit einem Beutel frisch gekaufter
Crevetten um 19:30 zu Hause.
Nach dem extrem kalten und langen
Winter 2009/2010 hat es offensichtlich auch Südfrankreich schwer
getroffen. Das Grundziel vom frühen Motorradfahren im
Frühjahr in schöner Landschaft erreichten wir nur bedingt.
Die Temperaturen waren weit davon entfernt angenehm zu sein, zum
Glück hatten wir nur höchstens einen halben Tag Regen und
nasse Straßen. Erreicht haben wir das Ziel, Barcelona zu sehen,
wobei ich es jetzt nicht sooo besonders herausragend fand. Es war mal
schön mit Enduros durch die Landschaft zu federn. Ich bin
insgesamt 1900km gefahren, dafür allerdings über 2000km Auto.
Ob sich das so gelohnt hat, bin ich mir nicht so sicher. Die XL hat
sich tapfer gegen die XT geschlagen, die den eindeutig spritzigeren
Motor und das stabilere Fahrwerk hat. Der Verbrauch lag bei beiden um
die 4,5 l/100km. Die Benzinpreise in Frankreich waren nicht so niedrig
wie gewohnt, sonst sind es an den Supermarkttankstellen um die 10c
weniger als zu Hause, diesmal nur die Hälfte. Das ganze war mit
der Hängermiete von 100€, den Benzinkosten der DS (13 l/100km) und
der Maut von 44€ oneway kein billiger Spaß.
Eric Thane
April 2010