Die
Loireschlösser und die Kelten
oder
Sein letzter Wille
15. - 24.8.2006
Das ganze
Wochenende betrachten
wir
ratlos die Wetterkarten. Nachdem es im Jahr der Fußball WM in
Deutschland im Juni und Juli einen gnadenlos guten, heißen
Sommer gegeben hat, ist exakt zu unserem Urlaubsbeginn die Temperatur
um 15°C auf den gleichen Wert gefallen und regnerisches Wetter
hat Mitte August eingesetzt. Und ich hatte Antje noch einmal davon
überzeugen können, ein letztes Mal mit Motorrad in Urlaub
zu fahren, bevor wir Eltern werden. Dienstag reicht es dann
irgendwann,
früher ist man ja bei so einem Wetter auch los gefahren. Wir
packen unser fertiges Gepäck auf die XL und die Dominator und
nehmen erst einmal die Autobahn nach Saarbrücken.
Wir entschließen uns
kurzfristig
noch einen Reiseführer für unser Ziel Loireschlösser
und Bretagne in Saarbrücken zu kaufen und wundern uns schon beim
Hineinfahren in
die Stadt, daß sie so leer ist. In der leblosen
Fußgängerzone klärt man uns auf, es ist Maria
Himmelfahrt, Feiertag im Saarland. Wir kaufen den Reiseführer
schließlich am Bahnhof. Tanken. Eine Stunde hinter der Grenze
machen wir unsere erste Pause – in der Sonne sitzen wir im
Straßencafé und genießen unseren ersten Café
au lait. Die grauen Wolken, unter denen wir die ganze Zeit hindurch
gefahren sind, sind hinter uns verschwunden. Inzwischen haben wir
auch festgestellt, daß hier auch Feiertag ist, also nichts mit
billig tanken. Wir wollen am ersten Tag noch so weit wie möglich
kommen und fahren bis kurz vor Troyes, wo wir bei gutem Wetter unser
Zelt auf einem kleinen Campingplatz aufschlagen.
Den nächsten Tag
lassen wir es
etwas geruhsamer angehen, nachdem es am ersten Tag immerhin noch
über
400km wurden. Troyes ist eine kleine Stadt mit windschiefen
Häusern,
aber schön restaurierter Innenstadt mit jeder Menge
Fachwerkhäusern und einer zu groß geratenen Kathedrale.
Wir fahren auf kleinen Straßen nach Orleans, wo wir uns
ebenfalls die Innenstadt und die Kathedrale anschauen. Als wir danach
wieder zu unseren Motorrädern kommen, kriegen wir einen Schreck.
Jemand hat den obersten Packsack unter den Gummiriemen von meiner XL
gezogen. Das erste Mal in 20 Jahren Motorradurlaub, daß mir mal
etwas vom Motorrad gestohlen wird. Und dann haben wir auch noch
Glück, es war der „wertloseste“ Sack mit dem alten nassen
Zelt mit dem kaputten Reißverschluß. Dumm ist nur,
daß
Antjes neu gekaufte Tevas dort auch mit drin waren. Andererseits bin
ich froh, daß der Dieb nicht bei der Gewaltaktion mein Motorrad
umgerissen hat. Jedenfalls müssen wir uns auf die Schnelle
umentscheiden und entschließen uns erst einmal für die
einfachste Lösung – wir gehen in das nächste Formule1
Hotel.
Unser erstes Ziel
am Morgen ist das
Schloß Chambord, das wohl imposanteste aller Loireschlösser.

Es liegt in einem Park und
wirkt riesengroß, ist es aber
eigentlich nicht. Die Dienstbereiche sind wie eine Mauer um das
Schloß organisiert. Das Schloß gefällt uns sehr und
trotz Hauptreisezeit und Touristenmassen verläuft es sich doch
sehr. Ganz anders bei unserem nächsten Ziel am Nachmittag, dem
Schlößchen Chenonceaux, wo wir eine Krise kriegen als wir
uns mit den Massen durch die engen Räume schieben. Dabei ist es
von innen gar nicht so schön, am schönsten wirkt seine Lage
über dem Fluß. Ziemlich fertig kommen wir raus und dann
kommt auch noch ein richtiges Gewitter. Wir sitzen es bei einem
Picknick aus und fahren danach weiter an der Loire entlang. In Tours
nehmen wir ein Hotel in der Innenstadt (wir haben uns entschlossen
kein Supermarktzelt zu kaufen, um es nach dem Urlaub weg zu werfen)
und schauen uns die schöne verwinkelte Altstadt an.

Morgens fahren wir weiter
nach
Azay-le-Rideau, einem netten kleinen Schloß, das uns auf Anhieb
gefällt. Die Räume sind alle noch eingerichtet und es ist
nicht zu voll. Auf dem weiteren Weg die Loire entlang denken wir noch
kurz darüber nach eine der Champignoise zu besichtigen, aber 7€
erscheinen uns ohne Führung für die reine Besichtigung
zu
viel. An Rigny Ussé fahren wir nur vorbei, wir haben genug
gesehen. Von außen sieht es wirklich wie ein
Märchenschloß
aus. Auf kleinen Straßen fahren wir an Saumur vorbei und
besichtigen noch das etwas im Hinterland gelegene Schloß
Bréze mit seinen unterirdischen Anlagen, die zum Schutz und zum
Speichern dienten. An Angers
geht es vorbei, bis wir in Roquefort beim „Grand Hotel“ halten, der
Name
sagt eigentlich nur, daß es das einzige im Ort ist. Die Zimmer
sind eine positive Überraschung, das Abendessen ebenfalls.
Leider verspielt der Patron den ganzen Kredit mit einem miesen
Frühstück und dem Versuch uns bei der Abrechnung am
nächsten Morgen über's Ohr zu hauen.
Auf kleinen
Nebenstraßen fahren
wir um Nantes herum in die Bretagne, halten uns immer abseits der
großen Routen bis auf die Höhe von Auray, wo wir auf die
Halbinsel Quiberon fahren. Im Hauptort an der Spitze tobt der Bär
und es sind keine Zimmer zu akzeptablen Preisen mehr verfügbar,
aber wir haben echtes Glück. Gerade am Isthmus bekommen wir noch
ein stilvolles Zimmer in dem Grand Hotel des Deux Mers, das vor altem
Flair nur so strotzt. Im nahe gelegenen Restaurant fahren wir abends
das volle Fischprogramm ein. Der Spaziergang am nächsten Tag bis
nach Quiberon ist doch länger als gedacht und wir sind froh, als
wir mit der Bahn wieder zurück fahren können.
Für den Weg
zum Cap Fréhel
an der Nordküste suche ich mir auf der Michelin Karte nur noch
weiße Straßen aus. Hier ist nichts los und sie führen
wunderschön kurvig durch die Landschaft. Mittags stärken
wir uns bei einem der vielen Crèperien. Die Halbinsel
gefällt
uns sehr, die Heidelandschaft leuchtet in vielen Farben. Nachmittags
essen wir noch einen Crèpe banane in Dinard, einem alten
Seebad, das jetzt aber das Opfer des ganz normalen Massentourismus
geworden ist. Etwas südlich liegt Dinan, wo wir mitten im
Zentrum im Café/Hotel du Théatre ein günstiges,
gutes Zimmer bekommen. Der Wettergott ist uns geneigt, er
läßt
es erst schütten, als wir gerade eben abgepackt haben. Dinan ist
eine alte Stadt, von einer Wehrmauer umgeben und mit einem sehr gut
gepflegten mittelalterlichen Stadtkern. Abends gibt es meine
geliebten moules-frites.
Das Highlight des
nächsten Tages
ist der Mont St. Michel. Wir können auf unseren Motorrädern
zum Glück die Wartezeit minimieren, indem wir an der etwa 5km
langen Autoschlange vor dem Parkplatz vorbei fahren. Es ist in
Frankreich halt Hauptreisezeit. So sparen wir uns auch die
Besichtigung der Innereien des Klosterberges, der bei Flut vom Wasser
umspült wird. Der Anblick von außen ist das Imposanteste.
Stattdessen kaufen wir alles für ein Picknick und setzen uns auf
den Strand bei Girons und genießen die Sonne mit Blick auf den
Mont St. Michel. Unser Urlaub neigt sich dem Ende, wir fahren jetzt
immer ostwärts. Abends übernachten wir auf einem Bauernhof.
An den Gärten von Monet geht es
vorbei, aber in Beauvais halten wir noch einmal, die Kathedrale mit
dem höchsten gothischen Kirchenschiff zu bewundern. Dafür
hat sie keine Türme, weil sie in ihrer Bauzeit zweimal wieder
eingestürzt ist. Mich fasziniert die astronomische Uhr
besonders. Wie es so ist, wir fahren nachmittags in einem Ort an
Hotels vorbei und entscheiden, daß sie nicht das Richtige sind
und dann kommt und kommt nichts mehr. Es wird ein langer Tag, und wir
enden schließlich nach 440km (wer eine Enduro hat, weiß
was das bedeutet) in Reims, wo wir wieder mal ein Formule1 beziehen
und um die Ecke bei dem Campanille Restaurant einen Eßgutschein
für ein grandioses Essen einlösen.
Reims ist ein wenig
menschenleer finden
wir, die Kathedrale aber riesig wie alle. Eigentlich wollen wir durch
die Champagne ganz gemütlich durchfahren und uns noch einen Tag
mehr in Frankreich gönnen, aber je weiter wir nach Osten kommen,
desto schlechter wird das Wetter. Als wir schließlich
Regensachen anziehen müssen, entschließen wir uns, nach
Hause durch zu fahren. In Creuztfeld essen wir in der guten Kantine
des LeClerc noch einmal zu Abend, shoppen durch den Riesensupermarkt,
tanken voll und reiten die restlichen 200km bis nach Hause in einem
Stück, eine weitere 450km Etappe alles in allem. Aber es war es
wert, wir bleiben bis auf Sprühregen trocken, und eine Stunde
nach Ankunft fängt es wieder mal an zu schütten. Egal –
wir genießen die Crevetten mit Rotwein.
Das war nur ein Kurzurlaub, das
Wetter
war uns bis auf ein paar Ausrutscher auch gesonnen. Die
Übernachtung
in Hotels haben wir auch mal genossen, auch wenn wir die
Campingplatzsuche streßloser als Hotelsuche empfinden. Die
Hotelpreise bewegten sich zwischen 37€ und 47€, die Formule1 sind
immer 30€. Auch in der Hauptreisezeit mussten wir nicht auf der
Straße schlafen, es war aber schon deutlich zu merken an den
Besucherzahlen bei den touristischen Highlights. Die Mopeds liefen
einwandfrei, die Dominator schluckt nur ordentlich Öl. Dafür
brauchen beide wenig Benzin auf der Landstraße (4,5
Liter/100km). Dies war vielleicht das letzte Mal auf längere
Sicht, daß wir zusammen auf Motorrädern Urlaub machen
konnten. Motorradfahren war auch im fünften Monat kein Problem.
Eric & Antje Thane
September 2006