Am
nächsten Morgen geht es über
Füssen (mit einem kurzen Fotostop bei Neuschwanstein) nach Reutte
in
Österreich und nach dem Tanken und einem netten zweiten
Frühstück
im M-Preis gleich wieder über die Grenze am Plansee vorbei nach
Ettal, eine Erholung nach dem letzten Teilstück. Es gibt kaum
Verkehr. An Garmisch-Patenkirchen vorbei, folgen wir danach ein
Stück der Isar. Mir ist allerdings beim Kartelesen entgangen,
daß
dies tatsächlich eine Mautstrecke ist, aber die 3€ ist es wert.
Über herrlich wenig befahrene Strecken fahren wir beim
Achenpaß
wieder
hinein nach Österreich. Wir folgen dem Zillertal (keine
Schürzenjäger zu sehen) und dem Gerlostal über den
Gerlospaß
(nächste Mautstrecke = 4€) an den Krimmler Wasserfällen
vorbei
bis Mittersill. Das Wetter spielt mit, und wir genießen wenig
befahrene Straßen mit vielen Kurven. Wir wollen an dem Tag noch
so
weit wie möglich nach Süden und beschließen durch den
Felbertauerntunnel zu fahren (Maut = 8€, man zahlt ja gerne, wir
sind in Übung, und es ist ja für einen guten Zweck...). Die
letzten
Kilometer bis Lienz sind eher Pflicht und keine Kür, und wir sind
froh, als wir dort auf dem Camping Falken ankommen. Das einzig
Erwähnenswerte ist eine Tankstelle, die für SuperPlus statt
der
sonst üblichen 1,28€ nur 1,05€ haben wollte. Das fällt mir
noch
ein paar mal auf, es steckte aber kein System dahinter, der
nächste
Ort ist wieder „normal“. Nach einem kurzen Mahl schauen wir uns
die Stadt an, die ohne Regen bestimmt mehr hergemacht hätte.
Am
nächsten Morgen nehmen wir das
Goretexfutter raus! Auf dem Wurzenpaß können wir es so
richtig
krachen lassen, 20% Steigung machen nicht viel aus und der Verkehr
hält sich sehr in Grenzen (Note 1). Was müssen das für
Zeiten
gewesen sein, als unsere Altvorderen sich hier mit Käfern und
Goggomobil rüber gequält haben. Der Vrsicsattel in Slowenien
ist
trotz der Besuchermassen, die wir oben treffen (es ist Wochenende und
offensichtlich ein beliebtes Ausflugsziel) schön zu fahren. Von
der
Straßenqualität hat sich Slowenien den Platz in der EU
verdient
(satte 2). Im Tal in Bovec gibt es an dem Campingplatz eine
Pause, auf dem Martin und ich damals auf der Kroatientour von 9/11
erfahren hatten.
Nach
einer teilweise lauten Nacht und
einem naja-Frühstück sehen wir zu, daß wir Land
gewinnen. Roger
war auch noch nicht in Kroatien, deswegen fahren wir bei Secovlje
nach Kroatien rein, dann auf kleinen einsamen Straßen über
Sterna,
Livade und Buzet zum Grenzübergang Marsici und wieder rein nach
Slowenien. Bis Divaca nehmen wir die Autobahn und werden dann beim
letzten Abfahren von der Autobahn über das slowenische System
aufgeklärt - wir dürfen noch 7,50€ für eine
Wochenvignette
abgeben (Maut, wir sind's gewohnt). Die hätten wir uns eigentlich
vorher kaufen müssen, sind aber die ganze Zeit durch irgendwelche
unbesetzten Mautstationen gefahren. Naja, Pech. Auf Nebenstraßen
geht es an der Skocjarske Jam vorbei nach Pivka, weiter über
Postonja und Idrija nach Tolmin, wo wir die Landstraße bis zum
Campingplatz bei Bovec nehmen. Ein Genußfahrtag, wenn man von dem
Autobahnteilstück zu Anfang absieht. Bovec selbst ist nicht mehr
wieder zuerkennen seit dem letzten Besuch 2001. Viel restauriert,
viel neue Gastronomie, nett. Vom Campingplatz sind es nur 5 Minuten
zu Fuß in die Stadt.
Nach
Italien fahren wir über den
Predilpaß, der sich unspektakulär angenehm ins Tal
schlängelt
(2-3). Wir folgen dem Raccolana Tal bis zum gleichnamigen Ort und
fahren weiter nördlich über den Nassfeldpaß wieder nach
Österreich rein. Es ist zwar bedeckt, aber der Paß macht
seinem
Namen zum Glück keine Ehre und die Goretex Membranen bleiben
weiterhin eingepackt. Wider Erwarten ist die österreichische
Abfahrt
von der Straßenqualität nicht besser als die italienische
Seite,
eher schlechter (ebenfalls 2-3). Bei Kötschach queren wir den
Plöckenpaß nach Italien rein. Nicht einfach zu
fahren, die
vielen Kehren/Kurven in Tunneln treiben den Blutdruck hoch (2+ für
nicht Vollgasfetischisten). Unten in Paluzza fahren wir auf die
Nebenstrecke nach Comeglians und von dort aus weiter nach Lozzo. Ein
Traum, nichts los, die Zahl der Autos, die wir auf diesen 60km
treffen, übertrifft nicht 10, und sie ist es wirklich wert
gefahren
zu werden (eine glatte 2 auf der Notenskala). Wir fühlen uns wie
Entdecker, Roger Columbus und Eric Cook on tour... (nein nicht Captain
Kirk, das ist ein anderes Jahrtausend). An Pieve vorbei
geht es noch auf unserem kleinen Paßmarathon bei Valle auf den
Passo
Cibiana (3+) und den Passo Duran (glatte 3, relativ durchwachsener
Belag), an Falcade vorbei auch noch über den Passo Valles (satte 2
mit schönen Kurven und meist gutem Belag). Bei Cavalese finden wir
dann dank Rogers Garmin den Campeggio Calvello, ziemlich abseits
gelegen, fast nur mit kleinen Terrassenplätzen und kleiner Bar, wo
es leider nur Mikrowellenmenus oder brauchbare kalte Platten gibt.
Die Lage und Ausstattung schlägt sich leider nicht im Preis
nieder,
der genauso hoch wie auf 3-5 Sterne Plätzen ist. Von den 1165m
über
Null merken wir nichts, es ist angenehm.
Für
den nächsten Tag hatten sich
Columbus und Cook die Entdeckung der Ost-West-Passage zwischen
Cavalese und Mandello vorgenommen, sprich auf kleinsten Straßen
den
kürzestem Weg zu suchen. Auf der kleinen Kammstraße oberhalb
des
Val di Cembra (mindestens eine 2) geht es nach Trento, von dort
weiter nach Tione auf gut ausgebauten, aber frequentierten
Bergstrecken. Kurz vor der italienischen Siesta wird der
Entdeckerdrang gebremst. Knallhart schlägt der Arm des Gesetzes in
Form eines Dorfpolizisten zu/hoch, weil ich beim Überholen
innerorts
die durchgezogene weiße Linie überfahren hatte. Schwerer
Ausnahmefehler, er nimmt sich in der brütenden Sonne alle Zeit der
Welt sein Formular auszufüllen. Kostenpunkt 38€. Dabei fallen mir
gerade noch die jungen Wilden in Italien ein, die sich in Shorts und
T-Shirt auf ihren Renner schwingen und direkt nach dem
LeMans-mäßigen
Start noch mal kurz einen Wheely mitten im Verkehr hinlegen. Ich
glaube inzwischen, daß das zur italienischen
Führerscheinprüfung
gehört und damit toleriert wird. Kann ich leider nicht mit punkten.
Über
Bagolino fahren wir auf den Croce
Domini, der trotz seiner gemischten Straßenqualitäten super
ist, auch weil er etwas anspruchsvoller und vor allem leerer
ist (1-). Breno, Borno, Castione, Clusone, wir erkennen
schließlich,
daß wir unsere Tagesplanung über Zogno, Vedeseta, Cortenova
nach
Bellano nicht schaffen können. Die Erfahrung der Ost-West-Passage
an
einem Tag ist gescheitert. Der Verkehr ist immer dichter geworden,
und es ist spät. Per Rogers Garmin machen wir einen Campingplatz
am
Ostufer des Lago di Garlate aus und lassen uns dorthin über Zogno
und Almeno führen. Zum Glück haben wir eine Karte und Augen,
denn
das Garmin zeigt uns 5km vor dem Campingplatz immer noch 50km Weg an.
Es bestätigt mich nur, der ich kein Freund von diesen Teilen bin.
Man ist zu unflexibel. Entweder plant man eine Route und ist dann
auch vom Ablauf festgelegt oder man hat jeden Tag ewige
Programmiererei, wenn es denn überhaupt zu einer flüssigen
Route
zusammenfaßbar ist. Ich fahre lieber nach Karte, aber das ist
nicht
jedermanns Ding. Ziemlich fertig kommen wir bei 32°C auf dem
Campeggio Rivabella an, bauen unser Zelt auf und gehen nach dem
Duschen (auch mißglückte Helden brauchen Körperpflege)
in die nahe
Empfehlung des Patrone, ein chinesisch italienisches Restaurant. Das
stellt sich als echter Treffer raus, ich esse eine echt leckere Pizza
mit einem riesigen 0,66l chinesischen Bier und Roger mal was
chinesisches mit Getränken für 20€. Das ist absoluter
Schnäppchenrekord auf dieser Tour.
Was
soll man schon machen, wenn man so
nahe an Mandello ist, man fährt halt mal vorbei. Leider sind wir
für
das Museum viel zu früh (publikumsfreundliche Öffnungszeiten
von
15:00-16:00, die Museumsbediensteten wußten übrigens bei
email-Anfrage nichts von einer Werksschließung), so müssen
wir halt stattdessen etwas shoppen. Es
werden ein paar
Kupplungszüge und Bremsbeläge für mich, weil meine
hintere Bremse
schon fast auf dem Stahl ist. Von Bellagio nehmen wir die
Superstrada, die wenigstens kurzfristig in den Tunneln immer wieder
mal Abstand von den kuscheligen 32°C Außentemperatur
gewährt.
Eigentlich wollen wir über Chiavenna zum Albulapaß fahren,
aber ich
verpasse die Abzweigung (die Hitze macht etwas tranig), und ehe wir
uns versehen sind wir schon fast in Sondrio. So nehmen wir die
nächstbeste Variante, den Berninapaß (immer wieder supergut,
die
wissen schon wie man Straßen baut, die Schweizer, glatte 1). Nach
den obligatorischen Paßfotos fahren wir die paar Kilometer wieder
runter nach Livigno zum Tanken. Selbst hier im Tal ist es heiß,
und
wir verlegen die Pause auf den Passo die Foscagno (nicht schlecht,
eine ehrliche 2).

Die Südrampe des Stilfser Jochs ist
meiner Meinung nach immer noch die schönere von beiden. Ich bin
kein
Freund von stumpfem Kehrenzählen. Abwechslungsreich geht es immer
höher, bis uns oben auf der Paßhöhe das übliche
Halligalli
empfängt. Fotosession und wieder ein Stück zurück zur
Abzweigung
des Umbrails, den anscheinend viele nicht fahren, weil er ein kurzes
Stück unbefestigt ist. Der Rest ist aber auf alle Fälle der
Mühe
wert (auf jeden Fall Note 2). Unten in Sta. Maria biegen wir nach
Westen Richtung Ofenpaß ab, ein Gaspaß mit Spaßfaktor
2. Über
Zernez und Susch fahren wir nach Scuol, wo wir auf dem stadtnahen
Campingplatz übernachten. Ich wechsle hier noch schnell die
hinteren
Bremsbeläge mit Hilfe eines Zeltnagels, die genauso aussehen wie
vermutet. Hier müssen
die
alten Schweizer Franken herhalten. Aber selbst nach dem Umrechnen
wird aus den großen Zahlen nicht viel weniger, eine normale Pizza
für 12€ ist schon nicht schlecht, aber irgendwie müssen die
Straßen ja finanziert werden.
Aus
dem gemütlichen Frühstück auf
dem Campingplatz wird nichts. Als wir um 7:00 aus den Zelten kommen,
begrüßt uns im Westen eine dunkle Wolkenfront. Wir legen
einen
Blitzstart hin, ziehen die Goretexfutter wieder ein und fahren
Richtung Fernpaß. Erst bei Imst fühlen wir uns sicher genug
und
frühstücken. Am Fernpaß (Note 6, aber eher
verkehrsbedingt) müssen
wir aber schließlich doch die volle Regenmontur anziehen. In
Füssen
geht es wieder auf die Landstraße, raus aus der Schlange nach
Marktoberdorf, wo ich noch einen Kocher für den nächsten
Urlaub
kaufe. Über kleine Straßen geht es über Markt
Rettenbach,
Babenhausen, Illertissen, Laupheim und Ehingen Richtung Norden. Wir
arbeiten ein wenig nach dem Hasenprinzip, taucht die dunkle Wand vor
uns auf, biegen wir ab. Unsere Idee ist zum Abschluß noch die
Überquerung des Schwarzwaldes. Das geht so ganz gut bis kurz vor
Tübingen. Das Gasthaus in Sichtweite des Unterstandes zum Anziehen
des Regenzeugs nehmen wir dann auch . Irgendwann ist mal Schluß.
Nach einem
ausreichenden
Frühstück
geht es weiter, aber wir müssen erkennen, daß das Wetter
nicht mehr
mitspielt. Wir streichen den Schwarzwald. Auf der Autobahn geht es
bis Bruchsal, von dort schließlich auf der B9 Richtung Mainz.
Nachdem wir nach 60 regenfreien Kilometern das Regenzeug wieder
ausziehen, fängt es doch prompt 20km vor zuhause noch mal richtig
an
zu regnen. Aber eigentlich nichts besonderes, kenne ich irgendwie.
Das waren
3.100km in 9 Tagen, man
fühlt
sich erschöpft aber zufrieden danach – so muß Wellness
aussehen.
Nur das Sitzfleisch war etwas durchgewalkt, aber wir sehen es einfach
mal als Massage. Die temporäre Hitze ist dann das
dazugehörige Dampfbad. Die Stadlerjacken mit dem herausnehmbaren
Goretexfutter bewähren sich unter diesen Bedingungen übrigens
supergut. Zum Premiumanspruch paßt nur nicht die Diskussion mit
Stadler, die
ich mal über den kaputten Frontreißverschluß hatte. Es
hat
Spaß gemacht, wir haben viel
gesehen. Der
Fisch in Slowenien war exzellent (Preis für den Fischteller
übrigens
15€), aber auch sonst konnten wir nicht klagen. Beide Guzzis liefen
gut. Ich habe zur Zeit die Avon Roadrunner drauf, Roger fährt
Bridgestone. Gegenüber den Bridgestones nutzen sich die Avon
herrlich rund ab und sind auch nach 10000km sauber in den Kurven zu
bewegen. Dafür sind sie etwas unhandlicher. Die angebliche
Unfahrbarkeit bei Regen kann ich nicht bestätigen. Für die
Statistik - wir fahren in Deutschland bei 1,36€ SuperPlus Preis
los, in Österreich sind es nur noch 1,26€ (bis auf diese
Ausnahmetankstellen), in Slowenien 1,13€, in Italien ist der Preis wie
in Österreich
gewesen und in Livigno waren es gerade noch 91cents.
Eric Thane
Juli 2009